- 2. Großer Preis von Deutschland
- Veranstalter: AvD
- Gesamtstrecke: 28.265 m
- 18 Runden = 508,77 km
- Zuschauer: je nach Quelle zwischen 75.000 und 90.000
17. Juli 1927
Merz gewinnt nach spätem Führungswechsel: Dreifachsieg für Mercedes
- Merz übernimmt kurz vor dem Ende die Spitze und gewinnt vor Werner und Walb
- Elisabeth Junek erhält den Sieg der mittleren Wertungsgruppe, nachdem Baader disqualifiziert wird
- Urban Emmerich setzt sich im Talbot in der kleinsten Wertungsgruppe vor Cleer auf Bugatti durch
Der II. Große Preis von Deutschland wurde am 17. Juli 1927 auf dem Nürburgring ausgetragen. Das Sportwagenrennen führte über 18 Runden auf der aus Nord- und Südschleife bestehenden Gesamtstrecke. Knapp einen Monat nach dem ersten Eifelrennen stand damit bereits die nächste große Veranstaltung auf dem noch jungen Nürburgring an. Sportlich prägten drei sehr unterschiedliche Entscheidungen den Tag: der interne Kampf der Mercedes-Benz-Fahrer in der stärksten Klasse, Elisabeth Juneks Klassensieg nach der Disqualifikation von Baader und der Erfolg von Urban Emmerich im Talbot bei den kleinen Wagen.
Kurz vor dem Rennen fiel mit Boillot auf Peugeot ein prominenter Gegner aus. Bei seinem Aufenthalt am Nürburgring hatte sich gezeigt, dass die Übersetzung seines Wagens nicht zur Strecke passte; zugleich blieb wenig Zeit, sich die anspruchsvolle Bahn ausreichend einzuprägen. Damit fehlte der stärksten Wertungsgruppe ein wichtiger ausländischer Konkurrent. Der Kampf um die Spitze entwickelte sich vor allem zwischen den Mercedes-Benz-Fahrern.
| Gestartet | 21 |
| Gewertet | 7 |
| Nicht gewertet | 14 |
| Sieger | #8, Otto Merz, Mercedes Benz, Mercedes Benz S, 18 Runden, 4:59:35,6 Std,. |
| Schnellste Runde | #7, Christian Werner, Mercedes-Benz, Mercedes-Benz S, 15:51,6 Min = 106,93 km/h |

Gesamtergebnis
| # | Kls. | Team | Fahrer | Fahrzeug | Rnd. | Zeit (h) | Schnitt (km/h) | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | 8 | +3000 ccm | Daimler-Benz | Otto Merz (D) (Beifahrer: Eugen Salzer) |
Mercedes-Benz S | 18 | 4:59:35,6 | 101,8 km/h |
| 2. | 7 | +3000 ccm | Daimler-Benz | Christian Werner (D) | Mercedes-Benz S | 18 | 5:02:54,6 | |
| 3. | 6 | +3000 ccm | Daimler-Benz | Willy Walb (D) | Mercedes-Benz S | 18 | 5:10:49,0 | |
| 4. | 21 | 3000 ccm | Elizabeth Junek (CZ) | Bugatti T35C | 18 | 5:40:07,6 | ||
| 5. | Voiturette | Hugo Urban-Emmerich (CZ) | Talbot 70 | 18 | 6:00:32,0 | |||
| 6. | Voiturette | Willy Cleer (D) | Bugatti T39 | 18 | 6:07:11,0 | |||
| 7. | +3000 ccm | Paul von Guilleaume (D) | Steyr 4,8 | 18 | ||||
| Nicht gewertet | ||||||||
| DQ | 3000 ccm | Franz Baader (D) | Bugatti | 17 | nicht gestattetes Nachtanken auf der Strecke | |||
| DNF | 15 | 3000 ccm | Charly Kappler (D) | Bugatti T35C | ||||
| DNF | Voiturette | Henny de Joncy (F) | B.N.C. | |||||
| DNF | 3000 ccm | Hans Stuck (D) | Austro Daimler | |||||
| DNF | 2 | +3000 ccm | Georg Kimpel (D) | Mercedes-Benz S | 17 | |||
| DNF | Voiturette | Harry Stumpf-Lekisch (D) | HAG-Gastell | 10 | ||||
| DNF | 5 | +3000 ccm | Adolf Rosenberger (D) | Mercedes-Benz S | 9 | |||
| DNF | 3 | +3000 ccm | Max Schaumburg-Lippe (D) | Mercedes-Benz S | 6 | |||
| DNF | Voiturette | Heinrich Dorper (D) | Opel | 6 | ||||
| DNF | 4 | +3000 ccm | Rudolf Caracciola (D) | Mercedes-Benz S | 5 | |||
| DNF | 3000 ccm | Eckhart von Kalnein (D) | Bugatti T35B | 4 | ||||
| DNF | 3000 ccm | Hans Simons (D) | OM | 4 | ||||
| DNF | 3000 ccm | Pierre Clause (F) | Bignan | 2 | ||||
| DNF | Voiturette | Paul Reich (D) | Pluto | 1 | ||||
Die Klassen im Detail
Rosenberger beginnt vorn, Werner arbeitet sich an die Spitze
Rosenberger setzte sich unmittelbar nach dem Start an die Spitze, Caracciola folgte dahinter. Werner und Merz machten im weiteren Verlauf Boden gut. Caracciola musste mit einem Getriebeschaden aufgeben, später schied auch Rosenberger mit einem technischen Defekt aus. Damit konzentrierte sich die Entscheidung in der großen Klasse auf Werner, Merz und Walb.
Werner war über weite Strecken der schnellste Mann des Rennens und fuhr auch die schnellste Runde. Die genaue Rundenzeit ist in den überlieferten Angaben nicht einheitlich, an seiner Bestmarke als schnellstem Fahrer des Tages besteht jedoch kein Zweifel. Boxenaufenthalte für Reifen, Kraftstoff und Service verschoben die Reihenfolge mehrfach. Werner gelang es, die Führung wieder zurückzuerobern und sie bis kurz vor dem Ende zu behaupten.
In der Schlussphase verlor Werner bei einem längeren Aufenthalt an der Box entscheidend Zeit. Merz ging als Führender in die letzte Runde. Werner konnte den Rückstand nicht mehr schließen, sodass Merz den Sieg vor Werner und Walb sicherstellte. Für Mercedes-Benz endete die stärkste Wertungsgruppe damit mit den ersten drei Plätzen. Paul von Guilleaume brachte den Steyr als Vierter der Klasse ins Ziel.
Wertungsgruppe I – Wagen über 3 Liter
| # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (h) | Schnitt (km/h) | |
| 1. | Daimler-Benz | Merz | Mercedes-Benz | 18 | 4:59.35,6 | ||
| 2. | Daimler-Benz | Werner | Mercedes-Benz | 18 | 5:02.54,6 | 101,0 | |
| 3. | Daimler-Benz | Walb | Mercedes-Benz | 18 | 5:10.49,4 | 98,4 | |
| 4. | von Guilleaume | Steyr | 18 | 6:10.24,4 |
Junek gewinnt nach Baaders Disqualifikation
In der Wertungsgruppe von 1500 bis 3000 ccm entwickelte sich die Entscheidung zwischen Kappler, Elisabeth Junek (Eliška Junková) und Baader, alle auf Bugatti. Kappler fiel zunächst zurück und versuchte anschließend, den verlorenen Boden wieder gutzumachen. Dabei kam er von der Strecke ab und verunglückte. Er wurde ins Krankenhaus gebracht; sein Mechaniker kam nach dem Unfall ohne schwere Verletzungen davon.
Junek übernahm zunächst die Führung, verlor jedoch durch Aufenthalte an der Box Zeit. Baader zog vorbei und erreichte das Ziel vor ihr. Sein Ergebnis hatte jedoch keinen Bestand: Wegen eines Regelverstoßes bei der Ölaufnahme wurde er disqualifiziert. Damit ging der Klassensieg an Junek. Sie absolvierte die 18 Runden in 5:40.07,6 Stunden.
Wertungsgruppe II – Wagen von 1500 ccm bis 3 Liter
| # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (h) | Schnitt (km/h) | |
| 1. | Elisabeth Junek, Prag | Bugatti | 18 | 5:40.07,6 | 89,9 |
Urban Emmerich setzt sich bei den kleinen Wagen durch
In der kleinsten Wertungsgruppe bestimmte Urban Emmerich auf Talbot das Rennen. Er setzte sich früh von seinen Gegnern ab und brachte den Klassensieg in 6:00.32 Stunden ins Ziel. Cleer auf Bugatti folgte als Zweiter. Auch hier war der Ausgang damit klarer als in der großen Mercedes-Benz-Klasse, in der die Führung bis in die Schlussphase hinein wechselte.
Wertungsgruppe III – Wagen von 750 bis 1500 ccm
| # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (h) | Schnitt (km/h) | |
| 1. | Urban Emmerich, Prag | Talbot | 18 | 6:00.32 | 84,7 | ||
| 2. | Cleer | Bugatti | 18 | 6:07.11 | 82,4 |
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Quellen und Literatur:
ADAC-Motorwelt, Nr. 29, 22. Juli 1927, Seite 6: „Großer Preis von Deutschland für Sportwagen“.
Automobil-Revue, Nr. 58, 22. Juli 1927, II. Blatt, Seite 7: „Großer Preis von Deutschland für Sportwagen“.
Motor Sport, August 1927: „The German Grand Prix”
Reuß, E.: Grand Prix – 70 Jahre Großer Preis von Deutschland, Motorbuch Verlag, 1997, ISBN 3-613-01836-5
Peter Higham: Guinness Guide To International Motor Racing, Guinness Publishing Ltd., ISBN 0-85112-642-1
racingsportscars.com (abgerufen 16.11.2018)
Wikipedia (abgerufen 16.11.2018)
Driverdatabase (abgerufen 16.11.2018)
motorsportmagazine.com (abgerufen 16.11.2018)
Foto: Daimler AG

