2. ADAC-500 km-Rennen 1961

  • 2. ADAC-500 km-Rennen
  • Veranstalter: ADAC e.V., München
  • Lauf um die FIA-Grand-Tourisme-Pokale
  • Lauf um die Deutsche Rundstrecken Meisterschaft
  • Bernd Rosemeyer Wanderpreis
  • Nordschleife, 22,810 km
  • Distanz: 22 Runden = 501,82 km

3. September 1961

Abate gewinnt, Mahle rollt trocken aus: Das 500-km-Rennen 1961

  • Carlo Mario Abate gewinnt die 1000-ccm-GT-Klasse, nachdem Eberhard Mahle in der letzten Runde ohne Kraftstoff liegenbleibt.
  • Sepp Liebl hält Herbert Linge in der 700-ccm-GT-Klasse nach 21 Runden um 4,4 Sekunden hinter sich.
  • Bei mehr als 36 Grad werden Motoren und Reifen zur Belastungsprobe; 45 Wagen erreichen die Wertung.

Am 3. September 1961 wurde auf dem Nürburgring das II. Internationale ADAC-500-km-Rennen ausgetragen. Tourenwagen und Gran-Turismo-Fahrzeuge bis 1000 ccm standen im Mittelpunkt, und gerade die kleinen GT-Wagen zeigten, welches Tempo inzwischen möglich war. Über 22 Runden entwickelte sich vor allem in der großen GT-Klasse ein Rennen, dessen Entscheidung erst ganz am Ende fiel: Eberhard Mahle hatte Carlo Mario Abate nach einer langen Aufholjagd überholt, doch auf der letzten Runde ging dem Stuttgarter der Kraftstoff aus. Abate gewann im Fiat-Abarth.

Die Veranstaltung war zugleich als Dauer- und Hochleistungsprüfung angelegt. Bereits im Training setzte Mahle mit 10:46,5 Minuten und 127,1 km/h die Bestmarke der GT-Wagen bis 1000 ccm. Sein modifizierter Fiat-Abarth trug den Kühler vorn, war aerodynamisch überarbeitet und etwa zehn bis zwölf Kilogramm schwerer als die übrigen 1000er. Für die Wettbewerbswagen dieser Klasse wurden rund 95 PS bei ungefähr 580 Kilogramm genannt; auf der leicht ansteigenden Döttinger Höhe wurden etwa 190 bis 193 km/h erreicht. Nur etwa 8.000 bis 10.000 Zuschauer verfolgten das Rennen. Die Hitze verschärfte die Belastung zusätzlich: Das Thermometer zeigte mehr als 36 Grad, und an den Boxen rückte die Warnung vor zu hohen Drehzahlen zeitweise stärker in den Vordergrund als die Anzeige von Runden und Zeiten.

GT bis 1000 ccm: Mahle holt 23 Sekunden auf – und verliert alles

Zu Beginn lag Zick im Fiat-Abarth vorn, ehe Abate die Führung übernahm und sich absetzte. Abate und Mahle fuhren auf Pirelli Cinturato S, Zick auf Michelin X. Die Beanspruchung war deutlich: Bei Abates linkem Hinterreifen war bereits die Leinwand zu erkennen. Mahles Tankstopp dauerte etwas länger als der seines Rivalen, sodass er in der zweiten Rennhälfte erneut aufholen musste.

In Runde 14 betrug Mahles Rückstand noch 23 Sekunden. Zwei Runden später waren es nur noch 6,2 Sekunden, und zu Beginn der 18. Runde lag er eine Sekunde vor Abate. Nach Runde 19 wuchs sein Vorsprung auf 5,3 Sekunden, nach Runde 20 auf zehn Sekunden. Mit sieben Sekunden Vorsprung begann Mahle schließlich die letzte Runde.

Nach der Hatzenbach war die Aufholjagd beendet. Beim Tankstopp waren statt 70 Litern nur etwa 55 Liter eingefüllt worden, vermutlich aus Gewichtsgründen. Mahle blieb ohne Kraftstoff liegen und erhielt von einem Zuschauer einen Reservekanister. Wegen dieser fremden Hilfe wurde seine letzte Runde nicht gewertet. Abate brachte den Fiat-Abarth nach 22 Runden in 4:05.16,8 Stunden ins Ziel; sein Durchschnitt betrug 122,6 km/h. M. Leto di Priolo wurde Zweiter, R. A. Melville und P. Jackson belegten im Austin-Healey Rang drei, A. Hedges und R. Küderli folgten als Vierte. Mahle hatte im Rennen mit 10:52,3 Minuten und 126,0 km/h zudem den Rundenrekord für Gran-Turismo-Wagen bis 1000 ccm gefahren.

Gestartet: 11, Gewertet: 9

  # Team Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h) Punkte
1. 113   Carlo-Mario Abate, IT Fiat-Abarth 22 4:05.16,8 122,6  
2.     M. Leto di Priolo, IT Fiat-Abarth 22 4:08.35,9    
3.     R. A. Melville, GB
P. Jackson, GB
Austin-Healey 22 4:11.30,4    
4.     A. Hedges, GB
R. Küderli, CH
Austin-Healey 22 4:14.47,8    

GT bis 700 ccm: Liebl rettet 4,4 Sekunden gegen Linge

Nach dem Ausfall von Robert Frank konzentrierte sich die Klasse auf den Zweikampf zwischen Sepp Liebl (München) im Fiat-Abarth und Herbert Linge im BMW. Die BMW-Mannschaft war erst am Samstag zum Training gekommen. Die 700er waren so kurz übersetzt, dass an mehreren Stellen im vierten Gang Gas weggenommen werden musste, um 7000/min nicht zu überschreiten.

Linge wechselte auf 13-Zoll-Dunlop-Racing-Reifen und war damit pro Runde fast zehn Sekunden schneller geworden. In den letzten Runden ging er in den Bergabpassagen mehrfach an Liebl vorbei, doch der Fiat-Abarth konterte bergauf und auf der Döttinger Höhe. Nach 21 Runden trennten beide 4,4 Sekunden. Liebl gewann mit 115,6 km/h Durchschnitt vor Linge; Edgar Barth (Kornwestheim) wurde Dritter.

Gestartet: 4, Gewertet: 3

  # Team Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h) Punkte
1. 98   Sepp Liebl, München Fiat-Abarth 21 4:08.23,4 115,6  
2. 96   H. Linge, Weißach BMW 21 4:08.28,3    
3.     Edgar Barth, Kornwestheim BMW 20      

Tourenwagen bis 1000 ccm: AU 1000 besetzen die Spitze

In der Tourenwagenklasse bis 1000 ccm gingen die ersten drei Plätze an AU 1000. Die siegreiche Besatzung absolvierte 20 Runden in 4:17.12,6 Stunden und erreichte einen Durchschnitt von 106,5 km/h. Moni Wallraf (Garmisch) und J. Karrenberg (Düsseldorf) folgten auf Rang zwei, G. Schreiber und B. Jäger wurden Dritte.

Gestartet: 12, Gewertet: 8

  # Team Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h) Punkte
1.     Alfred Kling, Schömberg
Kurt Geiss, Pforzheim
AU 1000 20 4:17.12,6 106,5 8/8
2.     Moni Wallraf, Garmisch
J. Karrenberg, Düsseldorf
AU 1000 20 4:17.35,3   6/-
3.     G. Schreiber, Duisburg
B. Jäger, Düsseldorf
AU 1000 19     4/4

Tourenwagen bis 850 ccm: Ruby führt früh, Fiat-Abarth gewinnt

Peter Ruby (Freiburg) hatte mit seinem von Mantzel getunten DKW die Trainingsbestzeit gesetzt und führte auch zu Beginn des Rennens. Schon nach kurzer Zeit brach jedoch das Gasgestänge. Damit war der Weg für Fiat-Abarth frei. Der Siegerwagen legte 20 Runden in 4:06.46,3 Stunden zurück und kam auf 111,4 km/h Durchschnitt. K. Foitek wurde Zweiter, Rang drei ging ebenfalls an einen Fiat-Abarth.

Der 850 TC bestritt auf dem Nürburgring sein erstes Rundstreckenrennen und war erst Anfang August als Tourenwagen homologiert worden. Für den Motor wurden 52 PS bei knapp 6000/min genannt. Die Serien-Höchstgeschwindigkeit lag bei 140 km/h; im Wettbewerb sollen die Wagen knapp über 150 km/h erreicht haben.

Gestartet: 14, Gewertet: 10

  # Team Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h) Punkte
1.     Ernst Furtmayr, München Fiat-Abarth 850 TC 20 4:06.46,3 111,4 8/-
2.     K. Foitek, CH Fiat-Abarth 20 4:07.29,0    
3.     B. McCowen, GB Fiat-Abarth 20      

Tourenwagen bis 700 ccm: Zwei Trainingsschnelle erreichen das Ziel nicht

Bei den Tourenwagen bis 700 ccm schieden Walter Schneider (Weidenau) und Hans Kater aus. Den Klassensieg holte ein BMW nach 20 Runden in 4:12.29,7 Stunden bei 108,5 km/h Durchschnitt. L. Hammer und U. Deussen (M.-Gladbach) wurden Zweite. Auch Rang drei ging an einen BMW.

Gestartet: 8, Gewertet: 6

  # Team Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h) Punkte
1.     Hans-August Stausberg, Köln
Heinrich Hülbüsch, Parscheid
BMW 700 S 20 4:12.29,7 108,5 8/8
2.     L. Hammer
U. Deussen, M.-Gladbach
BMW 20 4:14.10,5   6/6
3.     D. Mohr, Gießen
Bretthauer, Frankfurt am Main
BMW 20     4/4

Tourenwagen bis 600 ccm: Bitter vor Wiedemann/Gilges

E. Bitter (Ennepetal) gewann im NSU nach 19 Runden in 4:18.29,3 Stunden; der Schnitt betrug 100,6 km/h. Dr. G. Wiedemann (Stuttgart) und H. Gilges folgten mit 18 Runden auf Rang zwei, W. Müller (Ruit) wurde Dritter.

  # Team Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h) Punkte
1.     Erich Bitter, Ennepetal NSU 19 4:18.29,3 100,6 8/-
2.     Dr. G. Wiedemann, Stuttgart
H. Gilges, Neuss
NSU 18 4:04.47,2   6/6
3.     W. Müller, Ruit NSU 18     4/-

Tourenwagen bis 500 ccm: Theiler/Pichler mit 95,2 km/h

G. Theiler und M. Pichler gewannen im Steyr-Puch. Sie legten 18 Runden in 4:18.54,0 Stunden zurück und erreichten 95,2 km/h Durchschnitt. Der Zweitplatzierte absolvierte 17 Runden in 4:07.09,8 Stunden; F. Schlögl (Österreich) wurde Dritter.

  # Team Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h) Punkte
1.     Georges Theiler,
Max Pichler, Zürich/CH
Steyr-Puch 500 D 18 4:18.54,0 95,2  
2.     J. Kremer, Köln Steyr-Puch 17 4:07.09,8    
3.     F. Schlögl, Österreich Steyr-Puch 17      

Von den Wagen im Feld wurden 45 in Wertung geführt. Besonders die Schlussphase der 1000-ccm-GT-Klasse prägte das Rennen: Mahle verwandelte 23 Sekunden Rückstand in eine Führung, verlor den möglichen Sieg aber durch den knappen Kraftstoffvorrat und die anschließende fremde Hilfe. Abate erhielt als Gesamtsieger den Bernd-Rosemeyer-Gedächtnis-Preis, den Elly Rosemeyer-Beinhorn überreichte. Die kleinen Fahrzeuge hatten damit nicht nur ihre Dauerhaltbarkeit, sondern auch ein Tempo gezeigt, das den technischen Anspruch dieser 500 Kilometer deutlich machte.

Programmheft: 2. ADAC-500 km-Rennen 1961Zur Übersicht "Chronologie 1961"


Quelle: ADAC e.V. München: Programmheft 4. ADAC-500 km-Rennen 1964
ADAC Motorwelt, Nr. 8, 1. August 1961, S. 585
auto motor und sport, Nr. 20/1961, S. 84ff
ADAC Motorwelt, Nr. 10, 1. Oktober 1961, S. 756f
ONS-Mitteilungen, 8/1961
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München