Großer Preis von Deutschland für Motorräder 1929

  • Großer Preis von Deutschland für Motorräder
  • Veranstalter: Oberste Motorradsportbehörde, Berlin
  • Nord- und Südschleife

 28. Juli 1929 

Fünf Klassen auf dem Nürburgring: Geiß und Pätzold holen die deutschen Siege

  • Tyrell-Smith gewinnt die 500-cm³-Klasse auf Rudge-Whitworth in der besten Zeit des Tages.
  • A. Crabtree siegt bis 250 ccm, Handley entscheidet die 350er-Klasse für sich.
  • Geiß gewinnt bis 175 ccm auf DKW, Pätzold die große Klasse auf Sunbeam.

Der Große Preis von Deutschland für Motorräder 1929 auf dem Nürburgring wurde in fünf Hubraumklassen ausgetragen. Die Renndistanzen reichten von zwölf Runden und 339,6 Kilometern bei den 175ern bis zu 15 Runden und 424,5 Kilometern in den beiden großen Klassen. Wie schon in den beiden Vorjahren prägten britische Fahrer einen großen Teil der Entscheidungen. Die beste Zeit des Tages erzielte Tyrell-Smith auf Rudge-Whitworth in der 500-cm³-Klasse.

Über den Rennverlauf ist wenig überliefert. Für die 500er ist zusätzlich festgehalten, dass Tyrell-Smith mit seiner Siegerzeit den Rekord des Vorjahres unterbot. Bei der Bereifung setzten die englischen Fahrer auf Dunlop, während die deutschen Fahrer auf Continental durchs Rennen kamen. Bei BMW und Motosacoche wird deutsche Bosch-Zündung genannt.

Bis 175 ccm: Geiß gewinnt auf DKW

In der kleinsten Klasse standen zwölf Runden über 339,6 Kilometer auf dem Programm. Geiß (Pforzheim) gewann auf DKW in 4:01.47,6 Stunden und erreichte einen Durchschnitt von 84,2 km/h. Winkler (München) folgte ebenfalls auf DKW als Zweiter. Sourdot aus Frankreich wurde auf Walter-Villiers Dritter, vor Crabtree aus England auf Bayliss-Thomas-Jap und Lenders (Köln) auf DKW.

Position # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Geiß, Pforzheim DKW 12 4:01.47,6 84,2
2.   Winkler, München DKW 12 4:04.30,4  
3.   Sourdot, Frankreich Walter-Villiers 12 4:09.30,4  
4.   Crabtree, England Bayliss-Thomas-Jap 12 4:11.55,2  
5.   Lenders, Köln DKW 12 4:27.10,4  

Bis 250 ccm: S. A. Crabtree setzt sich auf Hecker-Jap durch

Über 13 Runden und 367,9 Kilometer gewann S. A. Crabtree auf Hecker-Jap. Seine Zeit von 4:04.07,8 Stunden entsprach einem Schnitt von 90,8 km/h. Frentzen (Köln) wurde auf U.D.-Jap Zweiter, Friedrich (Chemnitz) auf DKW Dritter. Porter aus England folgte auf New Gerard auf Rang vier, Binder-Saam auf Bayliss-Thomas wurde Fünfter.

Position # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   S. A. Crabtree, England Hecker-Jap 13 4:04.07,8  
2.   Frentzen, Köln U.D.-Jap 13 4:05.25,6  
3.   Friedrich, Chemnitz DKW 13 4:12.23,2  
4.   Porter, England New Gerard 13 4:20.33,0  
5.   Binder, Saam Bayliss-Thomas 13    

Bis 350 ccm: Handley vor Rowley

Die 350-cm³-Klasse führte über 14 Runden und 396,2 Kilometer. Handley aus England gewann auf Motosacoche in 4:04.43,6 Stunden bei einem Schnitt von 97,0 km/h. Rowley wurde auf A.J.S. Zweiter. Dahinter belegte Wemhöner (Bielefeld) auf Velocette Rang drei, Ernst (Breslau) auf A.J.S. Rang vier.

Position # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Handley, England Motosacoche 14 4:04.43,6 97,0
2.   Rowley, England A.J.S. 14 4:08.15,8  
3.   Wemhöner, Bielefeld Velocette 14 4:20.17,8  
4.   Ernst, Breslau A.J.S. 14 4:31.30,0  

Bis 500 ccm: Tyrell-Smith fährt die beste Zeit des Tages

Die sportlich schnellste Entscheidung des Tages fiel in der 500-cm³-Klasse. Tyrell-Smith aus England absolvierte die 15 Runden und 424,5 Kilometer auf Rudge-Whitworth in 4:09.09 Stunden. Der angegebene Durchschnitt betrug 102 km/h; zugleich wurde der Rekord des Vorjahres unterboten.

Simcock aus Australien wurde auf Sunbeam Zweiter in 4:12.54,4 Stunden bei 100,6 km/h. Stegmann (Neu-Oelsnitz) folgte auf BMW mit 4:14.29 Stunden und 100 km/h. Zündorf (Köln) brachte eine weitere BMW auf Rang vier, Hieatt aus England wurde auf Cotton Fünfter.

  # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Tyrell-Smith, England Rudge-Whitworth 15 4:09.09,0 102,0
2.   Simcock, Australien Sunbeam 15 4:12.54,4 100,6
3.   Stegmann, Neu-Oelsnitz BMW 15 4:14.29,0 100,0
4.   Zündorf, Köln BMW 15 4:16.09,6  
5.   Hieatt, England Cotton 15 4:16.56,0  

Bis 1000 ccm: Pätzold gewinnt die große Klasse

Auch die Klasse bis 1000 ccm ging über 15 Runden und 424,5 Kilometer. Pätzold (Köln) gewann auf Sunbeam in 4:22.30,4 Stunden mit einem Durchschnitt von 96,8 km/h. Wiese (Hannover) wurde auf BMW Zweiter. Huth (Bischofswalde) folgte auf Norton als Dritter, Wenzel (Köln) auf Rudge-Whitworth als Vierter.

  # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Pätzold, Köln Sunbeam 15 4:22.30,4  
2.   Wiese, Hannover BMW 15 4:30.46,8  
3.   Huth, Bischofswalde Norton 15 4:36.37,5  
4.   Wenzel, Köln Rudge-Whitworth 15 4:44.38,0  

Drei der fünf Klassensiege gingen damit an englische Fahrer: S. A. Crabtree, Handley und Tyrell-Smith. Geiß und Pätzold gewannen die 175- beziehungsweise 1000-cm³-Klasse. Den sportlichen Maßstab setzte Tyrell-Smith mit der besten Zeit des Tages in der Halbliterklasse.


Die angegebenen Ergebnisse, Rennzeiten und Durchschnittsgeschwindigkeiten basieren auf zeitgenössischen Veröffentlichungen. Abweichungen zu später erstellten Ergebnislisten und modernen Motorsportdatenbanken sind möglich. Bei widersprüchlichen Angaben werden zeitgenössische Quellen bevorzugt, sofern keine eindeutig belegten Korrekturen vorliegen.

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Quellen: Allgemeine Automobil-Zeitung, Nr. 16, 15. August 1929, Seite 35: „Großer Preis von Deutschland für Motorräder“.
ADAC-Motorwelt, Nr. 27, 3. Juli 1931, Seite 3: Rückblick auf die bisherigen Sieger des Großen Preises von Deutschland für Motorräder (zur Identifizierung von S. A. Crabtree als 250-cm³-Sieger 1929).