6. Int. ADAC Eifelrennen 1932

  • Int. Eifelrennen
  • Veranstalter: ADAC, Gesamt-Club München, ausgerichtet vom Gau Rheinland (IV)
  • Nordschleife

27.-29. Mai 1932

Eifelrennen 1932: Caracciola siegt nach einem tödlichen Trainingsunfall

  • Caracciola gewinnt das Wagenrennen vor Dreyfus.
  • Heinrich-Joachim von Morgen stirbt beim Training im Hatzenbach.
  • Paul Rüttchen setzt sich vor Bernd Rosemeyer durch.

Das 6. Internationale ADAC-Eifelrennen vom 27. bis 29. Mai 1932 führte die Teilnehmer auf die Nordschleife des Nürburgrings. Die Veranstaltung stand unter besonderen Vorzeichen: Nach Jahren auf der Südschleife wurde das Rennen auf die 22,81 Kilometer lange Nordschleife verlegt. Die Vorbereitungen versprachen ein internationales Feld, insbesondere bei den Rennwagen. Doch noch vor den Entscheidungen am Sonntag überschattete der tödliche Trainingsunfall von Heinrich-Joachim von Morgen das Wochenende. Rund 120.000 Zuschauer kamen bei kühlem, wechselhaftem Eifelwetter an den Ring; nach den Motorradrennen ging ein kräftiger Schauer nieder, und auch während des Wagenrennens regnete es kurz.

Von der Südschleife auf die Nordschleife

Für 1932 war die Rückkehr auf die große Nürburgring-Runde ein wesentlicher Einschnitt. Ausgeschrieben waren 17 Runden für die Motorräder und die Wagen über 800 ccm sowie 12 Runden für die kleinste Wagenklasse. Gefahren wurden schließlich 12 Runden bei den Motorrädern, 14 bei den größeren Rennwagen und 10 in der Klasse bis 800 ccm. Der Veranstaltungsplan sah den Start der Motorräder am Vormittag um 10 Uhr und die Wagenrennen am Nachmittag um 14 Uhr vor. Bereits Wochen zuvor war mit Rudolf Caracciola, Louis Chiron, Manfred von Brauchitsch und weiteren Fahrern ein international besetztes Feld angekündigt worden. Caracciola hatte 1931 das Eifelrennen gewonnen; seine erneute Teilnahme gab dem Rennen einen besonderen sportlichen Bezug.

Die angekündigte Konkurrenz war keineswegs auf die größte Wagenklasse beschränkt. In den kleineren Kategorien waren unter anderem Alfa Romeo, Bugatti, DKW und BMW vertreten. Bei den Motorrädern standen Fahrer auf NSU, DKW, BMW, AJS, Imperia und weiteren Fabrikaten im Mittelpunkt. Wie viel von den Ankündigungen tatsächlich auf der Strecke zu sehen sein würde, entschied sich erst am Rennwochenende.

Heinrich-Joachim von Morgen verunglückt im Hatzenbach

Am 27. Mai 1932 verunglückte Heinrich-Joachim von Morgen während einer Trainingsfahrt tödlich. Sein Bugatti war nach einem Motorschaden bei einem vorangegangenen Rennen überholt worden und erst kurz vor dem Eifelrennen zurückgekehrt. Von Morgen fuhr eine Runde, um die neuen Kolben einzufahren. Im Streckenabschnitt Hatzenbach kam der Wagen aus nicht geklärter Ursache von der Strecke ab und überschlug sich. Der Fahrer überlebte den Unfall nicht. Augenzeugen gab es nicht; Hartmann, Broschek und von Brauchitsch kamen kurz darauf an die Unfallstelle.

Von Morgen hatte 1930 das Eifelrennen und den Großen Preis der Tschechoslowakei gewonnen. Noch 1932 war er beim Großen Preis von Rom nach längerer Führung Dritter geworden. Sein Tod traf damit einen Fahrer, der in den vorausgegangenen Jahren auch international Erfolge erzielt hatte. Beim Rennen am Sonntag fehlte er im Starterfeld. Während des Rennens wehten die Flaggen auf halbmast; Hans Ollendorf verzichtete aus Respekt vor seinem Freund auf den Start.

Motorräder bis 350 ccm: Ernst Loof vor Karl Frentzen

In der kleineren Motorradwertung setzte sich Ernst Loof auf Imperia durch. Nach zwölf Runden hatte er 2:43.13,0 Stunden benötigt. Karl Frentzen folgte auf Ardie vor Reichel auf Norton. Der Abstand zwischen den ersten beiden betrug 2 Minuten und 26 Sekunden; nähere Positionswechsel sind für diese Klasse in den vorliegenden Unterlagen nicht gesichert.

  # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Ernst Loof Imperia 12 2:43.13,0  
2.   Karl Frentzen Ardie 12 2:45.39,0  
3.   Reichel Norton 12 2:47.25,0  

Motorräder über 350 ccm: Rüttchen vor Rosemeyer

Paul Rüttchen war wie im Vorjahr einer der maßgeblichen Fahrer im Motorradfeld. Auf NSU gewann er die große Soloklasse in 2:32.26,0 Stunden. Bernd Rosemeyer belegte ebenfalls auf NSU Rang zwei; sein Rückstand betrug 2 Minuten und 15 Sekunden. Nur drei Sekunden hinter Rosemeyer erreichte Hans Soenius auf BMW den dritten Platz. Damit fiel die Entscheidung um Rang zwei erheblich knapper aus als die um den Sieg.

  # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Paul Rüttchen NSU 12 2:32.26,0  
2.   Bernd Rosemeyer NSU 12 2:34.41,0  
3.   Hans Soenius BMW 12 2:34.44,0  

Seitenwagen: Schneider, Heyer und Weyres gewinnen ihre Klassen

In der kleinsten Seitenwagenklasse bis 350 ccm siegte Paul Schneider auf Velocette vor Heinrich Berhausen auf Imperia. Die Klasse bis 600 ccm gewann Harry Heyer auf NSU vor Helmut Faust, ebenfalls auf NSU. Bei den Gespannen über 600 ccm setzte sich Paul Weyres auf Harley-Davidson gegen Heinz Kürten auf Tornax und Theo Schoth auf BMW durch. Alle drei Klassen absolvierten jeweils zehn Runden auf der Nordschleife.

Seitenwagen bis 350 ccm

  # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Paul Schneider Velocette 10 2:47.42,0  
2.   Heinrich Berhausen Imperia 10 2:50.22,0  

Seitenwagen bis 600 ccm

  # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Harry Heyer NSU 10 2:53.35,0  
2.   Helmut Faust NSU 10 3:06.53,0  

Seitenwagen über 600 ccm

  # Fahrer Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Paul Weyres Harley-Davidson 10 2:37.17,0  
2.   Heinz Kürten Tornax 10 2:38.17,0  
3.   Theo Schoth BMW 10 2:45.02,0  

Wagen bis 800 ccm: Nur drei DKW erreichen die Wertung

Schon vor dem Start schrumpfte das Feld der kleinsten Wagenklasse. Zwei englische Austin traten nicht an. Ein weiterer Austin mit Bäumer am Steuer schied mit Motorschaden aus. Robert Kohlrausch überschlug sich mit seinem BMW im Abschnitt Hatzenbach, in der Nähe der Unfallstelle von Morgens. Schließlich blieben drei DKW übrig: Gerhard Macher gewann nach zehn Runden vor Hans Simons und Berthold Stoll. Macher führte vom Start weg; die schnellste Runde der Klasse fuhr Simons in 15:12,0 Minuten. Der deutliche Abstand des Dritten unterstreicht, wie weit das verbliebene Feld auseinanderlag.

  # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Gerhard Macher DKW 10 2:40.29,0  
2.   Hans Simons DKW 10 2:48.37,0  
3.   Berthold Stoll DKW 10 3:30.56,0  

Wagen bis 1500 ccm: Täuber setzt sich durch

Die mittlere Wagenklasse endete mit einem Erfolg für Hans Täuber auf Alfa Romeo. Nach 14 Runden lag er vor Laszlo Hartmann und Willy Seibel, die beide Bugatti fuhren. Täuber erreichte das Ziel nach 3:07.24,0 Stunden; Hartmann benötigte 3:17.59,0 Stunden. Ein enger Zieleinlauf war es damit nicht. Täuber, der zum ersten Mal auf dem Nürburgring startete, führte vom Start weg. Die schnellste Runde der Klasse fuhr Hartmann in 12:53,0 Minuten. Von zehn Startern wurden nur drei gewertet; Steinweg (Amilcar) schied mit Getriebeschaden aus, Florian Schmidt (Bugatti) mit gebrochener Ölleitung.

  # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Hans Täuber Alfa Romeo 14 3:07.24,0  
2.   Laszlo Hartmann Bugatti 14 3:17.59,0  
3.   Willy Seibel Bugatti 14 3:28.53,0  

Wagen über 1500 ccm: Caracciola hält Dreyfus auf Distanz

Die größte Wagenklasse war mit sechs gestarteten Fahrzeugen klein, aber prominent besetzt. Rudolf Caracciola trat auf Alfa Romeo gegen René Dreyfus und Louis Chiron auf Bugatti sowie Manfred von Brauchitsch, Hans Stuck und Albert Broschek auf Mercedes-Benz an. Im Mittelpunkt stand der Kampf zwischen Caracciola und Dreyfus. Der Vorjahressieger lag vorne, während Dreyfus ihm zunächst mit geringem Abstand folgte. Erst im weiteren Verlauf setzte sich Caracciola zunehmend ab. Chiron hatte mit Motor- und Boxenproblemen zu kämpfen, Broschek musste mehrfach an die Box, unter anderem zum Kerzenwechsel; später versagte sein Kompressor.

Nach 14 Runden gewann Caracciola in 2:48.22,0 Stunden mit einem Schnitt von 113,8 km/h. Dreyfus folgte 22 Sekunden später, Manfred von Brauchitsch erreichte mit dem Mercedes-Benz den dritten Rang. Dahinter wurden Hans Stuck, Louis Chiron und mit großem Rückstand Albert Broschek klassiert. Caracciola fuhr zudem die schnellste Runde in 11 Minuten 42,8 Sekunden (116,8 km/h), und zwar in der letzten Runde. Damit wiederholte er seinen Vorjahressieg, diesmal auf der Nordschleife.

Die Gesamtübersicht der Wagenresultate führt auch die Teilnehmer der kleineren Klasse in einer gemeinsamen Rangfolge auf. Für den hier dargestellten Klassensieg über 1500 ccm bleiben die ersten drei Plätze und Zeiten jedoch eindeutig.

  # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Rudolf Caracciola Alfa Romeo 14 2:48.22,0  
2.   René Dreyfus Bugatti 14 2:48.44,0  
3.   Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz 14 2:53.18,0  
4.   Hans Stuck Mercedes-Benz 14 2:57.15,0  
5.   Louis Chiron Bugatti 14 2:58.06,0  
6.   Albert Broschek Mercedes-Benz 14 3:22.42,0  

Ein Sieg unter dem Eindruck des Trainingsunfalls

Sportlich stand Caracciolas Erfolg über Dreyfus im Zentrum des Eifelrennens 1932. Daneben brachte das Wochenende einen weiteren Sieg von Paul Rüttchen und den zweiten Platz des jungen Bernd Rosemeyer. Die Resultate der kleineren Wagenklasse wurden durch Ausfälle und einen Unfall geprägt. Über allen Entscheidungen lag jedoch der Tod Heinrich-Joachim von Morgens, der das Rennen nicht mehr bestreiten konnte.


Die angegebenen Ergebnisse, Rennzeiten und Durchschnittsgeschwindigkeiten basieren auf zeitgenössischen Veröffentlichungen. Abweichungen zu später erstellten Ergebnislisten und modernen Motorsportdatenbanken sind möglich. Bei widersprüchlichen Angaben werden zeitgenössische Quellen bevorzugt, sofern keine eindeutig belegten Korrekturen vorliegen.

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Quellen: ADAC-Motorwelt, Nr. 16 vom 15. April 1932, S. 5; Nr. 20 vom 13. Mai 1932, S. 2–3;
ADAC Eifelrennen (2009), Ergebnisübersicht 1932;
Motor Sport Magazine, Motorsport Database, Eifelrennen 1932; offizielles Programmcover 1932; Golden Era (goldenera.fi): 1932 Grand Prix Season, Eifelrennen.