1925–1927

Von der Idee zur Ikone: Die Baujahre des Nürburgrings 1925–1927

  • 1925 begann der Nürburgring als arbeitsmarktpolitisches Projekt und technische Vision zugleich.
  • Bis zu 2500 Arbeiter schufen in Handarbeit eine der anspruchsvollsten Rennstrecken Europas.
  • Am 18. Juni 1927 wurde der Nürburgring mit dem Eifelrennen feierlich eröffnet.

Als am 18. Juni 1927 das Eifelrennen für Wagen und Motorräder den Nürburgring offiziell eröffnete, lag eine außergewöhnliche Bau- und Planungsgeschichte hinter der neuen Renn- und Prüfungsstrecke in der Eifel. Was wenige Jahre zuvor noch als ambitioniertes Konzept einer westdeutschen Gebirgsrennstraße begonnen hatte, war inzwischen zu einem nationalen Infrastrukturprojekt mit sportlicher, technischer und sozialpolitischer Bedeutung herangewachsen. Der Nürburgring entstand nicht allein für den Wettbewerb, sondern auch als Versuchsfeld für Fahrzeugentwicklung, Straßenbau und Beschäftigungspolitik in einer strukturschwachen Region.

1925: Idee, Genehmigung und erste Erdarbeiten

Den Ausgangspunkt bildete Anfang 1925 die Initiative regionaler Motorsportfunktionäre und Verwaltungsbeamter. Mit der Gründung eines Automobil-Clubs in Adenau und unter dem Vorsitz von Landrat Dr. Otto Creutz erhielt das Projekt erstmals eine organisatorische Grundlage. Ziel war der Bau einer vom öffentlichen Verkehr getrennten Renn- und Prüfungsstraße, die sich topografisch vollständig dem Mittelgebirge der Eifel anpassen sollte.

Bereits im Februar 1925 wurden die Pläne einer geschlossenen Gebirgsrennstrecke nahe Adenau öffentlich diskutiert. Das Konzept sah eine Umrundung der Nürburg vor, deren mittelalterliche Ruine das Streckenbild prägen sollte. Entscheidend war der Anspruch, nicht nur Rennen auszutragen, sondern auch Dauer-, Zuverlässigkeits- und Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu ermöglichen. Die natürliche Vielfalt der Eifel mit starken Steigungen, Gefällen und wechselnden Witterungsbedingungen galt als ideales Umfeld für Fahrzeugerprobungen.

Politische Unterstützung erhielt das Vorhaben durch Gespräche mit Ministerien in Berlin, die den Bau als Notstandsmaßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit anerkannten. Während erste Kostenschätzungen noch von rund 2,5 Millionen Reichsmark ausgingen, wurde rasch deutlich, dass der tatsächliche Aufwand deutlich höher liegen würde. Der Kreistag Adenau beschloss im Mai 1925 dennoch einstimmig, den Bau in eigener Verantwortung umzusetzen.

Ab dem Frühjahr begannen Vermessungsarbeiten, wenig später folgten erste Beschäftigungsprogramme für Arbeitslose. Im Sommer wurden die Entwürfe öffentlich ausgelegt, Einsprüche von Naturschutzverbänden jedoch verworfen. Mit der formellen Genehmigung als große Notstandsarbeit im August 1925 war der Weg frei für den großflächigen Ausbau. Die feierliche Grundsteinlegung im September markierte schließlich den symbolischen Beginn des Nürburgrings, der im Oktober auch offiziell seinen Namen erhielt.

1926–1927: Großbaustelle Eifel und Eröffnung des Nürburgrings

Im Jahr 1926 entwickelte sich das Gebiet rund um die Nürburg zu einer der größten Baustellen Westdeutschlands. Zeitweise waren über 2000 Arbeiter beschäftigt, untergebracht in eigens errichteten Barackenlagern. Mit einfachen Werkzeugen, Pferdewagen und einer Lorenbahn wurden enorme Erdmengen bewegt. Die Strecke wurde in vier Schleifen konzipiert, mit einer Gesamtlänge von über 28 Kilometern, steilen Anstiegen, engen Radien und mehr als 170 Kurven.

Parallel zum Streckenbau entstanden umfangreiche Hochbauten: Start- und Zielhaus, Boxenanlagen, Tribünen, Verwaltungsgebäude sowie ein weit verzweigtes Telefonnetz entlang der Strecke. Die Bauleitung passte die Trasse bewusst dem Gelände an, ohne Rücksicht auf Komfort oder geringe Steigungen. Der Nürburgring sollte Fahrer und Fahrzeuge gleichermaßen fordern.

Die finanziellen Dimensionen wuchsen mit dem Fortschritt der Arbeiten. Mehrere Nachträge erhöhten die Gesamtkosten auf über acht Millionen Reichsmark, eine erhebliche Belastung für den Kreis Adenau. Dennoch wurden die Arbeiten planmäßig fortgesetzt. Ende 1926 war das Planum auf der gesamten Strecke eingebracht, 1927 folgte der endgültige Fahrbahnbelag in Makadam-Bauweise, während die Start- und Zielschleife aus Beton gefertigt wurde.

Nach ersten Testfahrten im Frühjahr 1927 erfolgte Mitte Juni die landespolizeiliche Abnahme. Am 18. Juni 1927 wurde der Nürburgring schließlich mit dem Eifelrennen für Wagen und Motorräder eröffnet und knüpfte damit bewusst an die zuvor in Nideggen ausgetragenen Eifelrennen an. Der Nürburgring war damit nicht nur eine neue Rennstrecke, sondern ein dauerhaftes Symbol für technischen Fortschritt, motorsportliche Ambition und den Willen, aus einer strukturschwachen Region einen Mittelpunkt des deutschen Motorsports zu formen.


Der Nürburg-Ring 1926Quellen und Literatur:
Der Nürburg-Ring Nr. 6-7/1926,
Förster, W.: Faszination Nürburgring; Heel; 2011
Födisch, Jörg-Thomas: Der Nürburgring – Daten–Fakten–Zahlen, 1996, ISBN 3-930376-06-7
Födisch, Jörg-Thomas: Der Nürburgring – Die Chonik der legendären Rennstrecke, 1991, ISBN 3-8118-3065-1
Haffke, J: Der Nürburgring – Tourismus für Millionen, Bouvier, 2010

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