- Großer Preis von Deutschland
- Veranstalter: Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt (ONS)
- Nordschleife, 22,810 km
- 22 Runden = 501,82 km
- Wetter: nass
28. Juli 1935
Tazio Nuvolari siegte auf Alfa Romeo gegen neun deutsche Silberpfeile
- Tazio Nuvolari gewinnt den Großen Preis von Deutschland auf Alfa Romeo nach 22 Runden in 4:08.40,2.
- Hans Stuck wird auf Auto Union Zweiter, Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz Dritter.
- Manfred von Brauchitsch verliert die Führung in der letzten Runde nach Reifenschäden und fällt auf Rang fünf zurück.
Der Große Preis von Deutschland am 28. Juli 1935 auf dem Nürburgring entwickelte sich zu einem Rennen, dessen Entscheidung erst auf den letzten Kilometern fiel. Tazio Nuvolari setzte sich auf Alfa Romeo gegen die starke Konkurrenz von Mercedes-Benz und Auto Union durch. Nach 22 Runden und 501,82 Kilometern gewann er in 4:08.40,2 vor Hans Stuck auf Auto Union und Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz. Manfred von Brauchitsch, der lange wie der Sieger ausgesehen hatte, verlor die Führung in der Schlussrunde nach Reifenschäden. Das Rennen gehörte zur Grand-Prix-Europameisterschaft 1935. 20 Wagen nahmen den Start auf. Das Wetter war kühl, trüb und zeitweise regnerisch; kurz vor dem Start ließ der starke Regen nach. Erstmals wurde der Große Preis nicht mit der Flagge, sondern mit Lichtzeichen freigegeben: Rot kündigte den Start an, Gelb bedeutete noch 15 Sekunden, Grün gab das Rennen frei.
Die Vorbereitungen der deutschen Rennställe, insbesondere von Mercedes-Benz, waren intensiv, da dieses Heimrennen als das wichtigste der Saison galt. Mercedes-Benz brachte sieben Rennwagen an den Start, darunter zwei für die Nachwuchsfahrer Hermann Lang und Hanns Geier, während die Stammfahrer Rudolf Caracciola, Luigi Fagioli und Manfred von Brauchitsch die Hoffnungen des Teams trugen. Die Mercedes W25, die mit fast 450 PS die stärksten Fahrzeuge im Feld waren, hatten allerdings auf dem anspruchsvollen Nürburgring einen enormen Reifenverschleiß. Auch Auto Union investierte viel in die Vorbereitung und ließ nach dem schlechten Abschneiden beim französischen Grand Prix die Strecke eine Woche lang exklusiv nutzen, um die Wagen und Fahrer wie Hans Stuck, Bernd Rosemeyer, Achille Varzi und den Nachwuchsfahrer Paul Pietsch optimal vorzubereiten.
Im Gegensatz dazu trat die Scuderia Ferrari mit ihren drei Alfa Romeo Tipo B mit einem kleinen Aufgebot an. Tazio Nuvolari, Louis Chiron und Antonio Brivio setzten sich in der üblichen Besetzung ins Rennen, doch bereits im Training zeigte sich, dass der technische Rückstand des überarbeiteten Alfa Romeo auf dem Nürburgring weniger ins Gewicht fiel als auf anderen Strecken. Der kurvenreiche und schwierige Kurs kam der Agilität der Alfas entgegen, während die leistungsstärkeren, aber schwereren deutschen Fahrzeuge Probleme hatten, ihre Leistung optimal auf die Strecke zu bringen.
Caracciola führt die Anfangsphase
Nuvolari kam aus der ersten Reihe am besten weg, doch Caracciola übernahm noch in der Anfangsphase die Spitze. Nach der ersten Runde führte der Mercedes-Benz-Fahrer vor Nuvolari, Fagioli, Rosemeyer und von Brauchitsch. Nuvolari verlor in der zweiten Runde nach einem Dreher mehrere Positionen. Rosemeyer rückte zunächst an Caracciola heran, musste später jedoch nach einem Ausrutscher und Problemen am Wagen an die Box. Stuck und Pietsch hatten bereits beim Start Zeit eingebüßt, weil ihre Auto Union nicht sofort wegkamen. Stuck arbeitete sich anschließend durch das Feld nach vorn. Während die Strecke zunehmend abtrocknete, schlossen die Verfolger enger zur Spitze auf.
Nuvolari machte den Rückstand Schritt für Schritt wett. Nach neun Runden lag er bereits wieder unmittelbar hinter Caracciola, nach der zehnten Runde führte der Alfa-Romeo-Fahrer. Zur Rennhälfte kamen mehrere der Spitzenfahrer nahezu gleichzeitig an die Box. Für Nuvolari wurde der Stopp zum Rückschlag: Beim Tanken ging Zeit verloren, und er fiel bis auf den sechsten Platz zurück.
An der Spitze wechselte die Lage erneut. Fagioli lag kurz vorn, anschließend übernahm von Brauchitsch die Führung. In der 14. Runde fuhr der Mercedes-Benz-Pilot mit 10:32,0 Minuten die schnellste Runde des Rennens. Von Brauchitsch verfügte zunächst über einen deutlichen Vorsprung, doch Nuvolari verkürzte den Abstand in der zweiten Rennhälfte. Er fuhr mit unglaublichem Einsatz und holte pro Runde mehr als zehn Sekunden auf den führenden von Brauchitsch auf. Nuvolari arbeitete sich unterdessen wieder nach vorn und lag nach 15 Runden bereits auf Rang zwei. Nach 18 Runden betrug der Vorsprung nur noch 47 Sekunden, nach 20 Runden 42,4 Sekunden.
Von Brauchitsch unter Reifendruck
Obwohl von Brauchitsch von der Box wiederholt aufgefordert wurde, langsamer zu fahren, um die Reifen zu schonen, ignorierte er die Warnungen. Vor der letzten Runde lag von Brauchitsch wieder 45,2 Sekunden vor Nuvolari. Die Entscheidung fiel dennoch auf den letzten Kilometern. Am Mercedes-Benz versagte zunächst ein Hinterreifen; später wurde auch der zweite Hinterreifen beschädigt. Nuvolari, der bereits auf Tuchfühlung war, nutzte die Gelegenheit und übernahm die Führung.
Als Nuvolari nach 4:08:40,2 Stunden als Sieger die Ziellinie überquerte, war das Publikum fassungslos. Er hatte es geschafft, neun der mächtigen deutschen Silberpfeile auf deren Heimstrecke zu besiegen – eine der größten Sensationen in der Geschichte des Motorsports. Stuck, der nach seinem missglückten Start weit zurückgelegen hatte, erreichte 1:38,6 Minuten später als Zweiter das Ziel. Caracciola wurde Dritter, Rosemeyer Vierter. Von Brauchitsch rettete seinen Mercedes-Benz trotz der Reifenschäden als Fünfter ins Ziel; Fagioli folgte auf Rang sechs. Mit 10:32,0 Minuten blieb von Brauchitsch die schnellste Rennrunde.
Der Ausgang bündelte die Dramaturgie des Rennens in einer einzigen Schlussrunde: Der lange führende von Brauchitsch verlor den möglichen Sieg durch Reifenschäden, während Nuvolari nach Dreher und zeitraubendem Boxenstopp noch einmal bis an die Spitze zurückkehrte. Stucks Fahrt vom missglückten Start bis auf Rang zwei und Caracciolas dritter Platz komplettierten ein Rennen mit mehrfach wechselnden Kräfteverhältnissen.
| Pole Position | #11, Renato Balestrero, Gruppo San Giorgio, Alfa Romeo, Startplatz durch Los bestimmt |
| Gemeldet | 23 |
| Gestartet | 20 |
| Gewertet | 12 |
| Nicht gewertet | 8 |
| Sieger | #12, Tazio Nuvolari, Scuderia Ferrari, Alfa Romeo Tipo-B P3, 22 Runden, 4:08:40,2 h = 121,1 km/h |
| Schnellste Runde | #7, Manfred von Brauchitsch, Daimler-Benz, Mercedes-Benz W25B, 10:32.0 min = 129,9 km/h |
Gesamtergebnis
| # | Team | Fahrer | Wagen | Rnd. | Zeit (h) | Schnitt | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | 8 | Scuderia Ferrari | Tazio Nuvolari (IT) | Alfa Romeo Tipo-B P3 | 22 | 4:08:14.1 | 121,1 |
| 2. | 1 | Auto Union | Hans Stuck (DE) | Auto Union B | 22 | 4:10:18.4 | 120,3 |
| 3. | 5 | Daimler-Benz | Rudolf Caracciola (DE) | Mercedes-Benz W25B | 22 | 4:11:13.1 | 119,9 |
| 4. | 3 | Auto Union | Bernd Rosemeyer (DE) | Auto Union | 22 | 4:12:51.0 | 119,1 |
| 5. | 7 | Daimler-Benz | Manfred von Brauchitsch (DE) | Mercedes-Benz W25B | 22 | 4:14:17.4 | 118,4 |
| 6. | 6 | Daimler-Benz | Luigi Fagioli (IT) | Mercedes-Benz W25B | 22 | 4:15:58.3 | |
| 7. | 8 | Daimler-Benz | Hans Geier (DE) | Mercedes-Benz W25B | 21 | - 1 Runde | |
| 8. | 2 | Auto Union | Achille Varzi (IT) | Auto Union B | 21 | - 1 Runde | |
| 9. | 4 | Auto Union | Paul Pietsch (DE) | Auto Union B | 20 | - 2 Runden | |
| 10. | 21 | Hans Ruesch | Hans Rüesch (CH) | Maserati 8CM | 20 | - 2 Runden | |
| 11. | 16 | Scuderia Subalpina | Goffredo Zehender (IT) | Maserati Tipo 34 | 19 | - 3 Runden | |
| 12. | 22 | Luigi Soffietti | Pietro Ghersi (IT) | Maserati 8CM | 19 | - 3 Runden | |
| Nicht gewertet | |||||||
| 17 | Scuderia Subalpina | Philippe Étancelin (FR) | Maserati | 18 | Motor | ||
| 9 | Daimler-Benz | Hermann Lang (DE) | Mercedes-Benz | 15 | Motor | ||
| 10 | English Racing Automobiles | Raymond Mays (GB), Ernst von Delius (DE) |
ERA | 11 | Öldruck | ||
| 20 | Laszlo Hartmann | László Hartmann (H) | Maserati | 9 | Zündung | ||
| 14 | Scuderia Ferrari | Louis Chiron (MC) | Alfa Romeo | 5 | Differential | ||
| 23 | Piero Taruffi | Piero Taruffi (IT) | Bugatti | 5 | Differential | ||
| 15 | Scuderia Ferrari | Antonio Brivio (IT) | Alfa Romeo | 1 | Differential | ||
| 11 | Gruppo San Giorgio | Renato Balestrero (IT) | Alfa Romeo | 0 | Differential | ||
| Nicht gestartet | |||||||
| 15 | - | René Dreyfus (FR) | Alfa Romeo Tipo-B P3 | - | - | ||
| 19 | - | Ernst von Delius (DE) | ERA B | - | Unfall | ||
| 22 | - | Luigi Soffietti (IT) | Maserati 8CM | - | - | ||
| 18 | - | Eugenio Siena (IT) | Maserati 8C | - | Nicht erschienen | ||
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Quellen und Literatur:
Allgemeine Automobil-Zeitung, August 1935, S. 28ff
Automobil-Revue, Nr. 61, 30. Juli 1935, S. 2f
Motorwelt, Nr. 30, 26. Juli 1935, S. 9
Reuß, E.: Grand Prix – 70 Jahre Großer Preis von Deutschland, Motorbuch Verlag, 1997, ISBN 3-613-01836-5
Peter Higham: Guinness Guide To International Motor Racing, Guinness Publishing Ltd., ISBN 0-85112-642-1
Wikipedia (abgerufen 20.11.2018)
Driverdatabase (abgerufen 20.11.2018)
motorsportmagazine.com (abgerufen 20.11.2018)
* Die Angaben über Nuvolaris Zeit differieren zwischen verschiedenen Quellen. Motorsport: 4:08:39,0 h, Motor & Sport, Automobil Revue: 4:08:40,1 h, Paul Sheldon: 4:08:04,1 h (Druckfehler) , Il Littoriale, Födisch/Völker/Behrdt: 4:08:04,2 h

