Großer Preis von Europa 2002

Großer Preis von Europa 2002
  • Allianz Großer Preis von Europa 2002
  • 9. Lauf Formel 1 Weltmeisterschaft 2002
  • GP-Strecke, 5.148 km
  • Distanz: 60 Runden = 308.88 km

Zeitplan "Formel 1"

Fraitag, 21. Juni 2002
11:00 - 12:00 h Formel 1 | 1. Training  
Samstag, 22. Juni 2002
08:45 - 09:45 h Formel 1 | 2. Training  
12:15 - 13:15 h Formel 1 | Qualifying  
Sonntag, 23. Juni 2002
09:30 - 10:00 h Formel 1 | Warm up  
14:00 - 16:00 h Formel 1 | Großer Preis von Europa 2002 | Rennen   

Barrichellos gerechter Sieg – Ferrari-Doppelerfolg ohne Stallorder

  • Montoya auf Pole, Ralf Schumacher daneben: Williams-BMW beherrscht das Qualifying.
  • Keine Stallorder wie in Österreich: Barrichello darf seinen zweiten Sieg feiern.
  • Schwache Michelin-Reifen bremsen Williams, Montoya kollidiert mit Coulthard.

Am 23. Juni 2002 feierte Rubens Barrichello beim neunten Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft auf dem Nürburgring seinen zweiten Grand-Prix-Sieg. Vor rund 150.000 Zuschauern dominierte Ferrari das Rennen auf der erstmals um die Mercedes-Arena erweiterten Grand-Prix-Strecke. Doch der Doppelerfolg der Roten stand auch im Zeichen der umstrittenen Stallorder vom Großen Preis von Österreich wenige Wochen zuvor.

Das Training: Williams-BMW in der ersten Startreihe

Das Qualifying zum Großen Preis von Europa 2002 auf dem Nürburgring versprach einen spannenden Kampf zwischen Williams-BMW und Ferrari. Bei bewölktem Himmel und angenehmen Streckentemperaturen sicherte sich Juan Pablo Montoya seine dritte Pole-Position in Folge. Mit einer Zeit von 1:29,906 Minuten war er der Schnellste und setzte damit ein Ausrufezeichen. Doch der Kampf um die Spitze war eng – nur winzige 0,009 Sekunden trennten ihn von seinem Teamkollegen Ralf Schumacher, der sich den zweiten Startplatz sicherte. Die Williams-Fahrer hatten die Oberhand, und das lag vor allem an den hervorragend funktionierenden Michelin-Reifen im Qualifying.

Für Michael Schumacher verlief die Session hingegen nicht reibungslos. Bereits zu Beginn klemmte das Getriebe seines Ferrari, und er musste in das Ersatzfahrzeug wechseln. Trotz dieser Probleme reichte es für ihn zu Platz drei, auch wenn kleine Fehler in seiner letzten Runde eine Verbesserung verhinderten. Rubens Barrichello, der die Balance seines Ferrari während der Session immer wieder anpasste, komplettierte als Vierter die zweite Startreihe. McLaren-Pilot David Coulthard landete auf Rang fünf, während sein junger Teamkollege Kimi Räikkönen Sechster wurde. Damit war das Kräfteverhältnis zwischen Williams, Ferrari und McLaren klar verteilt. Renault, mit Jarno Trulli und Jenson Button auf den Plätzen sieben und acht, zeigte ebenfalls eine starke Leistung, doch es war klar: Williams würde Ferrari im Rennen das Leben schwer machen.

Das Warm-up: Barrichello mit Top-Form

Im morgendlichen Warm-up am Renntag war es Rubens Barrichello, der die Konkurrenz in Schach hielt. Der Brasilianer fuhr die schnellste Runde und unterstrich damit seine Ambitionen auf den Sieg. Michael Schumacher folgte ihm dicht auf den Fersen, doch Barrichello schien an diesem Tag das gewisse Extra zu haben. David Coulthard zeigte als Dritter ebenfalls eine solide Leistung, während die Williams-Piloten Montoya und Ralf Schumacher etwas zurückhaltender agierten. Das Warm-up bot nur einen kleinen Vorgeschmack auf das, was im Rennen bevorstand, aber die Zeichen standen bereits auf einen intensiven Kampf um die Spitze, bei dem Ferrari die Nase vorn zu haben schien.

Das Rennen: Barrichello gewinnt, Ferrari verzichtet auf die Stallregie

Nach dem Start übernahm zunächst Ralf Schumacher die Führung. Der Williams-Pilot setzte sich in der ersten Kurve außen gegen seinen Teamkollegen Montoya durch. Doch die beiden BMW-Williams konnten ihre Spitzenpositionen nicht lange verteidigen. Rubens Barrichello, von Platz vier gestartet, arbeitete sich bereits in der ersten Runde an beiden Williams vorbei und übernahm die Führung. Michael Schumacher folgte seinem Teamkollegen nach vorne und überholte in der dritten Runde auch seinen jüngeren Bruder Ralf. Damit lagen die beiden Ferrari an der Spitze.

Während Barrichello das Tempo bestimmte, verlor Williams zunehmend den Anschluss. Die zunächst konkurrenzfähigen Michelin-Reifen bauten unter Rennbedingungen deutlich ab. Besonders die Hinterreifen bereiteten Schwierigkeiten. Hinzu kam die unterschiedliche Boxenstrategie. Während Ferrari auf zwei Tankstopps setzte, versuchte Williams, mit nur einem Stopp über die Distanz zu kommen. Ralf Schumacher verlor dadurch bereits in der Anfangsphase erheblich an Boden. Als er in Runde 30 zum einzigen Tankstopp kam, lag er bereits knapp 20 Sekunden hinter seinem Bruder Michael.

An der Spitze verlief das Rennen jedoch nicht völlig fehlerfrei. Michael Schumacher drehte sich in der 24. Runde beim Anbremsen der Michelin-Kurve und rutschte auf eine asphaltierte Auslaufzone. Der Weltmeister konnte seine Fahrt ohne Positionsverlust fortsetzen. Nur zwei Runden später unterstrich er mit der schnellsten Rennrunde in 1:32,226 Minuten das Potenzial seines Ferrari.

Für weitere Dramatik sorgte die 27. Runde. David Coulthard griff Juan Pablo Montoya in der Mercedes-Arena an. Der Kolumbianer verbremste sich, verlor die Kontrolle über das Heck seines Williams und kollidierte mit dem McLaren. Für beide Fahrer war das Rennen beendet. Davon profitierte Kimi Räikkönen. Der Finne war mit einer Einstoppstrategie unterwegs und konnte sich nach dem Ausfall seines Teamkollegen sowie Montoyas auf den dritten Platz vorarbeiten. Im Ziel lag er 46,435 Sekunden hinter Barrichello, hatte aber Ralf Schumacher im zweiten Williams deutlich hinter sich gelassen.

Vorne kontrollierten die Ferrari das Geschehen. Michael Schumacher verkürzte den Rückstand auf Barrichello zwischenzeitlich auf weniger als zwei Sekunden. Damit rückte zwangsläufig die Frage in den Mittelpunkt, ob Ferrari erneut in den Rennverlauf eingreifen würde.

Nur sechs Wochen zuvor hatte Barrichello beim Großen Preis von Österreich auf Anweisung der Teamleitung unmittelbar vor der Ziellinie Michael Schumacher passieren lassen müssen. Die Stallorder hatte weltweit Empörung ausgelöst und Ferrari erhebliche Kritik eingebracht. Wenige Tage nach dem Nürburgring-Rennen sollte sich die Scuderia deshalb vor dem Automobil-Weltverband FIA in Paris verantworten.

Diesmal blieb eine entsprechende Anweisung aus. Ferrari-Technikchef Ross Brawn begründete den Verzicht damit, dass Michael Schumachers Vorsprung in der Weltmeisterschaft inzwischen so komfortabel geworden sei, dass eine Stallorder nicht notwendig gewesen sei. Barrichello durfte seine Führung verteidigen und überquerte nach 60 Runden als Sieger die Ziellinie. Michael Schumacher folgte mit lediglich 0,294 Sekunden Rückstand und komplettierte den Ferrari-Doppelerfolg. Für den Brasilianer war es nach seinem Triumph beim Großen Preis von Deutschland 2000 auf dem Hockenheimring der zweite Formel-1-Sieg. Hinter Räikkönen erreichte Ralf Schumacher den vierten Platz. Jenson Button im Renault wurde Fünfter, während Felipe Massa im Sauber als Sechster den letzten WM-Punkt holte.

Ferrari feierte damit bereits den siebten Sieg im neunten Saisonrennen. Ausgerechnet auf der Heimstrecke der Schumacher-Brüder war Rubens Barrichello der gefeierte Mann. "MOTORSPORT aktuell" brachte das Ergebnis auf seiner Titelseite mit drei Worten auf den Punkt: „Der gerechte Sieg“.

Pole Position #6, Juan Pablo Montoya,
Williams BMW,
1:29.906 Min.
Gestartet 22
Gewertet 16
Nicht gewertet 6
Sieger #2, Rubens Barrichello,
Ferrari,
60 Runden, 1:35:07.426 Std.
Schnellste Runde #1, Michael Schumacher,
Ferrari,
1:32.226 min = 200.871 km/h in Runde 26

Gesamtergebnis

 #FahrerWagenRnd.Zeit/Rückst.Pkt.
1 2 Rubens Barrichello Ferrari 60 1:35:07.426 10
2 1 Michael Schumacher Ferrari 60 +0.294s 6
3 4 Kimi Räikkönen McLaren Mercedes 60 +46.435s 4
4 5 Ralf Schumacher Williams BMW 60 +66.963s 3
5 15 Jenson Button Renault 60 +76.943s 2
6 8 Felipe Massa Sauber Petronas 59 +1 Runde 1
7 7 Nick Heidfeld Sauber Petronas 59 +1 Runde 0
8 14 Jarno Trulli Renault 59 +1 Runde 0
9 12 Olivier Panis BAR Honda 59 +1 Runde 0
10 21 Enrique Bernoldi Arrows Cosworth 59 +1 Runde 0
11 17 Pedro de la Rosa Jaguar Cosworth 59 +1 Runde 0
12 11 Jacques Villeneuve BAR Honda 59 +1 Runde 0
13 20 Heinz-Harald Frentzen Arrows Cosworth 59 +1 Runde 0
14 25 Allan McNish Toyota 59 +1 Runde 0
15 23 Mark Webber Minardi Asiatech 58 +2 Runden 0
16 10 Takuma Sato Jordan Honda 58 +2 Runden 0
Nicht gewertet
NC 24 Mika Salo Toyota 51 DNF 0
NC 22 Alex Yoong Minardi Asiatech 48 DNF 0
NC 16 Eddie Irvine Jaguar Cosworth 41 DNF 0
NC 6 Juan Pablo Montoya Williams BMW 27 DNF 0
NC 3 David Coulthard McLaren Mercedes 27 DNF 0
NC 9 Giancarlo Fisichella Jordan Honda 26 DNF 0

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Quellen: MOTORSPORT aktuell, Nr. 27, 25. Juni 2002
formula1.com (abgerufen am 17.7.2019)

f1.fandom.com (abgerufen am 4.10.2024)
Wikipedia (abgerufen am 4.10.2024)

Fotos: Ferrari