Hans Herrmann (1928–2026) – Ein Leben für den Rennsport

Hans Herrmann

09.01.2026 | Le-Mans-Sieger und stiller Held der Silberpfeil-Ära

  • Geboren am 23. Februar 1928 in Stuttgart, verstorben am 9. Januar 2026 im Alter von 97 Jahren; Werksfahrer für Mercedes-Benz und Porsche
  • Gesamtsieger der 24 Stunden von Le Mans 1970 auf Porsche 917, zahlreiche Erfolge bei Mille Miglia, Targa Florio und weiteren Langstreckenklassikern
  • Einer der vielseitigsten und konstantesten Rennfahrer seiner Generation; bis ins hohe Alter als Markenbotschafter und Repräsentant des historischen Motorsports aktiv

Mit Hans Herrmann verliert der internationale Motorsport eine seiner prägendsten Persönlichkeiten. Der Le-Mans-Sieger, vielfache Langstrecken- und Klassensieger sowie ehemalige Werksfahrer von Mercedes-Benz und Porsche ist am 9. Januar 2026 im Alter von 97 Jahren in Stuttgart verstorben. Herrmann gehörte zu jener Generation von Rennfahrern, die mit Mut, technischer Präzision und außergewöhnlicher Konstanz Motorsportgeschichte schrieben – oft fernab des großen Rampenlichts, aber mit nachhaltiger Wirkung.

Geboren am 23. Februar 1928 in Stuttgart, schlug Hans Herrmann zunächst einen bodenständigen Weg ein. Er absolvierte eine Ausbildung zum Konditor und plante, das Café seiner Mutter zu übernehmen. Doch seine Leidenschaft galt dem Motorsport. 1952 begann er seine Karriere mit einem Porsche 356, gewann noch im selben Jahr erste Rennen und machte rasch mit Klassensiegen bei nationalen und internationalen Veranstaltungen auf sich aufmerksam. Siege bei der Deutschlandfahrt sowie bei der Mille Miglia 1953 und 1954 empfahlen ihn für höhere Aufgaben.

Hans Herrmann während der Startvorbereitungen zum Großen Preis von Berlin auf der Avus 1954
Hans Herrmann während der Startvorbereitungen zum Großen Preis von Berlin auf der Avus 1954

1954 folgte der entscheidende Schritt: Alfred Neubauer holte den talentierten Schwaben als Werksfahrer zu Mercedes-Benz. An der Seite von Juan Manuel Fangio, Karl Kling und später Stirling Moss fuhr Herrmann in der Formel 1 und bei Sportwagenrennen für die legendären Silberpfeile. Bereits beim Debüt des W 196 R in Reims erzielte er die schnellste Rennrunde. Podestplätze beim Großen Preis der Schweiz und beim Avus-Rennen unterstrichen seine Klasse. Herrmann galt als äußerst vielseitig, vor allem aber als außergewöhnlich konstant – ein Fahrer, der schnelle Rundenzeiten mit großer Sicherheit verband.

Ein schwerer Unfall im Training zum Großen Preis von Monaco 1955 beendete seine Formel-1-Ambitionen vorzeitig. Dennoch kämpfte sich Herrmann zurück und blieb dem Motorsport treu. Nach dem Rückzug von Daimler-Benz aus dem Rennsport war er für zahlreiche Hersteller aktiv, darunter Maserati, B.R.M., Abarth und immer wieder Porsche. Besonders mit den Fahrzeugen aus Zuffenhausen feierte er seine größten Erfolge: Klassensiege in Le Mans, Triumphe bei der Targa Florio, der Gesamtsieg bei den 12 Stunden von Sebring 1960 und der Titel des Formel-2-Europameisters zählen zu den Höhepunkten.

Carrera Panamericana, Mexiko, 1954
Porsche 550 Spyder, Hans Herrmann (l.), Carrera Panamericana, Mexiko, 1954

Der krönende Abschluss seiner Karriere gelang Hans Herrmann 1970: Gemeinsam mit Richard Attwood gewann er auf dem Porsche 917 die 24 Stunden von Le Mans und sicherte Porsche damit den ersten Gesamtsieg in der Geschichte des Rennens. Es war zugleich Herrmanns letztes Rennen. Seiner Frau Magdalena hatte er versprochen, nach einem Sieg in Le Mans den Helm an den Nagel zu hängen – ein Versprechen, das er hielt. Nicht zuletzt aus Respekt vor den vielen Weggefährten, die den Motorsport jener Zeit nicht überlebten.

Im Volksmund wurde Hans Herrmann oft „Hans im Glück“ genannt – ein Beiname, der auf mehrere spektakuläre, glimpflich ausgegangene Zwischenfälle anspielte, darunter die legendäre Fahrt unter einer sich schließenden Bahnschranke bei der Mille Miglia. Doch sein Erfolg beruhte weniger auf Glück als auf technischer Intelligenz, Disziplin und außergewöhnlicher Zuverlässigkeit. Mehr als 80 Gesamt- und Klassensiege stehen für seine Karriere.

Auch nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn blieb Herrmann dem Motorsport eng verbunden. Als Markenbotschafter von Mercedes-Benz Heritage und als Repräsentant des Porsche Museums nahm er bis ins hohe Alter an historischen Veranstaltungen teil und begeisterte Fans wie Fachleute gleichermaßen. Trotz internationaler Erfolge blieb er stets bodenständig und seiner Heimatregion verbunden.

Hans Herrmann hinterlässt seine Ehefrau Magdalena, zwei Söhne und einen Enkel. Der Motorsport verliert mit ihm einen der großen Allrounder seiner Geschichte – einen Fahrer, der durch Beständigkeit, Fairness und Leidenschaft Generationen von Rennfahrern geprägt hat.


Fotos: Porsche AG, Mercedes-Benz AG