Alessandro Zanardi (1966–2026)

Motorsportler, Kämpfer und Inspiration

04.05.2026 | Der Motorsport hat mit Alessandro Zanardi eine seiner prägendsten Persönlichkeiten verloren. Der Italiener verstarb am 1. Mai im Alter von 59 Jahren. Mit ihm geht nicht nur ein außergewöhnlicher Rennfahrer, sondern ein Mensch, der weit über den Sport hinaus als Symbol für Mut, Willensstärke und unerschütterlichen Optimismus stand.

Geboren am 23. Oktober 1966 in Bologna, führte Zanardis Weg zunächst in die Formel 1, in der er 41 Grand-Prix-Starts absolvierte. Seine größten sportlichen Erfolge feierte er jedoch in den USA, wo er 1997 und 1998 die CART-Serie dominierte und sich zweimal zum ChampCar-Meister krönte. Schon früh galt er als kompromissloser Racer, geprägt von technischer Präzision und einem feinen Gespür für Rennsituationen.

Eine dramatische Zäsur erlebte seine Karriere am 15. September 2001 auf dem Lausitzring. Bei einem schweren Unfall verlor Zanardi beide Beine und musste mehrfach reanimiert werden. Was für viele das Ende bedeutet hätte, wurde für ihn zum Beginn eines neuen Kapitels. Mit beeindruckender Konsequenz kämpfte er sich zurück ins Leben – und in den Motorsport. Bereits 2005 kehrte er in den professionellen Rennsport zurück und feierte in Oschersleben einen vielbeachteten Sieg. Seine Rückkehr wurde zu einem der eindrucksvollsten Comebacks der Sportgeschichte.

Doch Zanardis Lebenswerk erschöpfte sich nicht im Renncockpit. Parallel begann er eine zweite Karriere im Behindertensport und setzte auch hier Maßstäbe. Bei den Paralympischen Spielen 2012 in London gewann er zwei Goldmedaillen im Handbike, 2016 in Rio folgten weitere zwei Gold- sowie eine Silbermedaille. Hinzu kamen Erfolge bei Langstrecken-Triathlons, darunter die Teilnahme am Ironman auf Hawaii, sowie ein vierter Platz beim New York Marathon.

Neben seinen sportlichen Leistungen engagierte sich Zanardi intensiv für soziale Projekte. Mit seiner Stiftung „Bimbingamba“ unterstützte er Kinder und Jugendliche nach Amputationen und eröffnete ihnen neue Perspektiven. Mit „Obiettivo 3“ setzte er sich dafür ein, Menschen mit Behinderung den Zugang zum Sport zu ermöglichen.

Nach einem weiteren schweren Unfall im Jahr 2020 wurde es ruhiger um ihn. In den folgenden Jahren war sein Leben von Rehabilitation und der Fürsorge seiner Familie geprägt. Dennoch blieb seine Haltung unverändert: geprägt von Entschlossenheit, Lebensfreude und dem unbedingten Willen, Herausforderungen anzunehmen.

Mit Alessandro Zanardi verliert die Welt einen Ausnahmesportler und eine inspirierende Persönlichkeit. Sein Vermächtnis reicht weit über Titel und Siege hinaus. Es liegt in der Kraft seiner Geschichte – und in der Botschaft, dass Grenzen verschiebbar sind, wenn Mut und Überzeugung den Weg bestimmen.

Seiner Frau Daniela, seinem Sohn Niccolò sowie allen Angehörigen und Freunden gilt das tief empfundene Mitgefühl. Ciao, Alex.


Foto: BMW