Nürburg-Pfarrer Kohnz: Zwischen göttlichem Segen und Notfallseelsorge

16.05.2026 | Seit mehr als drei Jahrzehnten gehört seine Stimme zu einem der emotionalsten Momente der ADAC RAVENOL 24h Nürburgring: Wenn sich die Startaufstellung füllt und Fahrer, Teams und Fans den letzten Augenblick vor dem großen Rennen erleben, spricht Pfarrer und Notfallseelsorger Klaus Kohnz das geistliche Grußwort. Was 1991 auf Initiative des damaligen Rennleiters Peter Geishecker begann, ist längst zu einer festen Tradition geworden.

„Mr. 24h-Rennen" Peter Geishecker hatte vergleichbare Zeremonien in den USA kennengelernt und brachte die Idee an den Nürburgring. Für Kohnz ist dieser Moment bis heute weit mehr als nur ein Programmpunkt: „Es ist ein wichtiger Augenblick des Innehaltens vor dem Rennen“, sagt er. Zwischen Anspannung, Vorfreude und Konzentration entstehe eine besondere Atmosphäre, die viele Menschen berühre. „Ich bekomme immer wieder sehr positive Rückmeldungen.“

Wie wichtig solche Momente sein können, zeigte sich besonders bei den 24h Qualifiers vor wenigen Wochen. Nach dem tödlichen Unfall von Juha Miettinen hielt Kohnz die Ansprache zur Gedenkminute – eine Aufgabe, von der er erst am selben Morgen erfahren hatte. Zusätzlich standen für ihn noch zwei Sonntagsgottesdienste auf dem Programm. „Das war schon eine große Herausforderung“, erinnert er sich. „Wichtig war mir vor allem, dem Anlass gerecht zu werden.“

In seiner Ansprache sprach Kohnz über die enge Verbindung von Leben und Tod. „Manchmal entdecken wir, dass der Vorhang zwischen Leben und Tod hauchdünn ist“, sagt er. Dabei gehe es ihm nicht um Resignation, sondern um Bewusstsein und Vertrauen. Ein Gedanke begleitet ihn dabei besonders: „Herr, lass mich so leben, als wäre es der letzte Tag – und beten, als wäre es das letzte Gespräch.“

Für den Geistlichen ist der Tod kein finales Ende, sondern ein Impuls, das Leben bewusster und intensiver zu gestalten. Zwischen Aktivität und Gelassenheit sieht er dabei keinen Widerspruch. „Beides gehört zusammen“, sagt Kohnz. „Und beides braucht ein tiefes Grundvertrauen.“

Auch deshalb bedeutet ihm der Nürburgring viel. Für ihn ist die Rennstrecke nicht nur sportlicher Schauplatz und Wirtschaftsfaktor für die Region, sondern vor allem ein Ort der Begegnung. „Der Nürburgring führt Menschen zusammen – aus unterschiedlichen Regionen, mit verschiedenen Sprachen und Hintergründen.“ Gerade diese Gemeinschaft mache die besondere Atmosphäre rund um die 24h Nürburgring aus.

Seelsorgerische Momente gibt es dabei nicht nur vor dem Rennen selbst. Kohnz begleitet regelmäßig ökumenische Gottesdienste im Umfeld der Veranstaltung und in der Region. Sein Segen gilt dabei immer den Menschen hinter dem Motorsport: Teilnehmern, Helfern, Einsatzkräften und Zuschauern. „Freude, die uns Sport und Freizeit schenken – und zugleich Achtung und Hilfsbereitschaft füreinander“, beschreibt er seinen Wunsch für die Veranstaltung. Ein Gedanke, der perfekt zu den 24h Nürburgring passt – und seit vielen Jahren fester Bestandteil dieses besonderen Rennens ist.

Hinweis: “Wenn Sie sich in einer verzweifelten Lage befinden oder Beistand benötigen, kontaktieren Sie bitte die TelefonSeelsorge ( www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beraterinnen und Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufgezeigt haben.”


Quelle: ADAC Nordrhein Sportpresse
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