- 21. Int. ADAC-Eifelrennen
- Deutsche Meisterschaft für Motorräder aller Klassen (Junioren Pokal)
- Deutsche Automobil-Meisterschaftsläufe für Grand-Tourismo-Wagen
- Veranstalter: ADAC Gau Nordrhein e.V., Köln
- Südschleife
03.-05.10.1958
Nachwuchsrekorde und die umstrittene Prinzen-Parade
- Wolfgang Seidel gewinnt die große GT-Klasse mit nur 8/100 Sekunde Vorsprung.
- Die Motorrad-Ausweisfahrer überbieten in allen fünf Klassen die Rekordmarken von 1953.
- Vier NSU-Prinz belegen zunächst die ersten vier Plätze, werden nach dem Rennen aber aus der Wertung genommen.
Am 5. Oktober 1958 kehrte das 21. ADAC-Eifelrennen auf die Südschleife des Nürburgrings zurück. Die Verlegung vom Juni auf den ersten Oktobersonntag hatte am Publikumsinteresse wenig geändert. Der ADAC Gau Nordrhein ließ die Veranstaltung erstmals seit 1931 wieder auf dem rund 7,75 Kilometer langen Kurs austragen. Meist sonniges Herbstwetter und wenigstens 25.000 Besucher begleiteten ein fast sechsstündiges Programm, das ohne schweren Unfall verlief. Sportlich prägten die Endläufe um den OMK-Juniorenpokal, drei Gran-Turismo-Klassen und ein Tourenwagenrennen das Wochenende – letzteres vor allem durch den späteren Ausschluss der zunächst dominierenden NSU-Prinz. Bei den Motorrad-Ausweisfahrern starteten in fünf Klassen insgesamt 146 Konkurrenten.
125 ccm: Hans Fischer gewinnt, Karl Fluhrer holt den Juniorenpokal
Hans Fischer (Gelenau) führte die 125-ccm-Klasse auf seiner MZ vom Start bis ins Ziel und gewann die sieben Runden über 54,229 Kilometer mit 106,4 km/h Durchschnitt. Max Deubel (Bielstein), der in diesem Lauf mit einer Mondial als Solist antrat, wurde Zweiter vor Horst Näser (Lichtentanne). Für die Juniorenpokal-Wertung war jedoch Karl Fluhrer (Mannheim) entscheidend: Der Ducati-Fahrer belegte im Rennen Rang fünf und kam als zweitbester Westdeutscher auf insgesamt 28 Wertungspunkte, womit er den OMK-Pokal der Klasse gewann.
Ergebnis Plätze 1 bis 5
| # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (min) | Schnitt (km/h) | |
| 1. | Hans Fischer | MZ | 7 | 30.35,3 | 106,4 | ||
| 2. | Max Deubel | Mondial | 7 | 31.15,8 | |||
| 3. | Horst Näser | MZ | 7 | 31.16,5 | |||
| 4. | Günter Lippolds | MZ | 7 | ||||
| 5. | Karl Fluhrer | Ducati | 7 |
250 ccm: Kurbelwellenwechsel in der Nacht, Sieg am Renntag
In der Viertelliterklasse gewann Knipp (Grissenbach) auf Adler. Noch in der Nacht zum Renntag war die im Training gebrochene Kurbelwelle gewechselt worden. Im Rennen steigerte Knipp den bisherigen Klassenrekord von 100,3 auf 113,4 km/h und setzte sich vor Robert Schaible (Stuttgart), Conrad Scharf (Hagen) und Heinz Kessing (Essen) durch. Mit insgesamt 30 Punkten stand zugleich der Juniorenpokalsieg fest.
Ergebnis Plätze 1 bis 5
| # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (min) | Schnitt (km/h) | |
| 1. | Knipp | Adler | 7 | 28.42,1 | 113,4 | ||
| 2. | Robert Schaible | NSU | 7 | 29.02,4 | |||
| 3. | Conrad Scharf | NSU | 7 | 29.50,1 | |||
| 4. | Heinz Kessing | NSU | 7 | ||||
| 5. | Jürgen Karrenberg | Adler | 7 |
350 ccm: Wentzel knapp vor Waldmann und Bleile
Harry Wentzel (Neunkirchen) gewann die 350-ccm-Klasse auf Velocette. Karl Waldmann (Ennepetal) folgte auf AJS vor Alfred Bleile (Freiburg) auf Horex; die ersten drei lagen im Ziel nur wenig auseinander. Bleile kam in der Juniorenwertung wie der diesmal ausgeschiedene Ronald Vooth auf 16 Punkte. Weil für die Titelvergabe das bessere Ergebnis beim Eifelrennen maßgebend war, wurde Bleile Juniorenmeister der Klasse.
Ergebnis Plätze 1 bis 5
| # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (min) | Schnitt (km/h) | |
| 1. | Harry Wentzel | Velocette | 7 | 30.13,8 | |||
| 2. | Karl Waldmann | AJS | 7 | 30.15,0 | |||
| 3. | Alfred Bleile | Horex | 7 | 30.20,4 | |||
| 4. | Paul Hamelmann | Horex | 7 | ||||
| 5. | Bernhard Bockelmann | Excelsior | 7 |
500 ccm: Fritz Meyer setzt die Bestmarke der Solisten
Fritz Meyer (Salchendorf) war auf BMW der schnellste Ausweis-Solist des Tages. Er gewann mit 117,6 km/h Durchschnitt und erhöhte den Rundenrekord von 113,1 auf 120,3 km/h. Karl Recktenwald (Winterbach) auf Norton und Lothar Luhr (Rheinfelden) auf Horex belegten die Plätze zwei und drei. Der bereits seit Hockenheim als Juniorenmeister feststehende H. Ochsenreiter fehlte im 31 Fahrer umfassenden Starterfeld.
Ergebnis Plätze 1 bis 5
| # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (min) | Schnitt (km/h) | |
| 1. | Fritz Meyer | BMW | 7 | 27.38,7 | 117,6 | ||
| 2. | Karl Recktenwald | Norton | 7 | 28.14,3 | |||
| 3. | Lothar Luhr | Horex | 7 | 29.04,1 | |||
| 4. | Eberhard Weber | Triumph | 7 | ||||
| 5. | Karl Hamelmann | Horex | 7 |
Beiwagen bis 500 ccm: Deubel/Amfaldern feiern den vierten Sieg
Max Deubel und Rolf Amfaldern (Bielstein) bestritten den Schlußlauf trotz bereits feststehenden Pokalgewinns und holten auf BMW ihren vierten Sieg. Ludwig/Kremer (Ingelheim) auf Norton wurden Zweite, Luthringhauser/Hörner (Otterbach) auf BMW Dritte. Mit 105,9 km/h im Rennen und 107,0 km/h als Rundenbestmarke entstanden neue Klassen- und Rundenrekorde für die Dreiradfahrzeuge.
| # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (min) | Schnitt (km/h) | |
| 1. | Deubel / Amfaldern | BMW | 7 | 30.42,4 | 105,9 | ||
| 2. | Ludwig / Kremer | Norton | 7 | 31.52,8 | |||
| 3. | Luthringhauser / Hörner | BMW | 7 | 32.28,2 | |||
| 4. | Breu / Grothues | BMW | 7 | ||||
| 5. | Appel / Stegemann | Triumph | 7 |
Tourenwagen bis 750 ccm: NSU dominiert zunächst – und verliert alle vier Plätze
Das Tourenwagenrennen bis 750 ccm entwickelte sich schon vor dem Start zum technisch umstrittensten Teil des Eifelrennens. NSU brachte vier Prinz an den Nürburgring und verpflichtete dafür Jean Behra, Edgar Barth, Wilhelm Herz und Eberhard Mahle. Die Konkurrenz bestand zunächst aus zehn Amateuren. Nachdem die Werkswagen im Training deutlich aufgefallen waren und Zweifel an ihrer Serienmäßigkeit entstanden, verzichteten sechs Konkurrenten auf den Start.
Bei der technischen Vorabnahme war an den Werks-Prinz eine nicht serienmäßige Hinterachsübersetzung festgestellt worden. Bis zur Hauptabnahme ließ NSU wieder die serienmäßige Übersetzung einbauen. Edgar Barth fuhr anschließend im letzten Training dennoch einen Schnitt von 94,6 km/h. Ein Konkurrent legte innerhalb der Protestfrist Protest gegen die Zulassung der vier NSU-Wagen ein; die Fahrzeuge wurden bis zum Rennen verplombt.
Im Rennen standen acht Wagen am Start. Behra gewann auf der Strecke mit 94,4 km/h Durchschnitt vor Mahle und Barth; Herz belegte Rang vier. Dahinter folgten Bruno Runte im Saab 93, ein Renault 4 CV, Ludwig Hammer im BMW 600 und Rosemarie Schleheck im privat eingesetzten NSU-Prinz. Die schnellste Runde fuhr Mahle in 4:51,3 Minuten mit 95,7 km/h.
Nach dem Rennen sollte die Serienmäßigkeit der beanstandeten Fahrzeuge überprüft werden. Eine technische Kontrolle kam jedoch nicht zustande. Die vier NSU-Prinz wurden daraufhin aus der Wertung genommen. Damit rückte Bruno Runte (Mülheim) im Saab 93 zum Sieger auf.
NSU erklärte anschließend, bei den eingesetzten Prinz sei der Ansauggeräuschdämpfer durch einen einfachen Luftfilter ersetzt worden. Die Leistung der Motoren wurde dabei mit rund 26 PS angegeben, gegenüber 20 PS für den Serienmotor. Für die eingesetzten Wagen wurden rund 118 km/h Höchstgeschwindigkeit genannt; auf den Gefällstrecken seien die Motoren bis 7400 U/min überdreht worden, wodurch im Gefälle etwa 155 km/h möglich gewesen seien. Gegen den Ausschluss legte NSU bei der ONS Beschwerde beziehungsweise Berufung ein.
Ergebnis Plätze 1 bis 3
| Position | # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (min) | Schnitt (km/h) | Punkte |
| 1. | Bruno Runte | Saab 93 | 7 | 34.30,0 | ||||
| 2. | Wolfgang Bingemer | Renault 4 CV | 7 | 37.57,6 | ||||
| 3. | Ludwig Hammer | BMW 600 | 7 | 38.36,5 |
Gran Turismo bis 1300 ccm: Herbert Schulze mit klarem Vorsprung
Herbert Schulze (Berlin) gewann die GT-Klasse bis 1300 ccm auf Alfa Romeo. Er absolvierte die 54,229 Kilometer in 28.33,2 Minuten und erreichte 114,0 km/h Durchschnitt. Hans-Helmut Hespen (Bremen) wurde Zweiter, H. G. Estler (Bremen) Dritter. Schulze fuhr zudem mit 4:02,3 Minuten und 115,1 km/h die schnellste Runde der Klasse.
Ergebnis Plätze 1 bis 5
| Position | # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (min) | Schnitt (km/h) | Punkte |
| 1. | Herbert Schulze | Alfa Romeo | 7 | 28.33,2 | 114,0 | |||
| 2. | Hans-Helmut Hespen | Alfa Romeo | 7 | 29.03,0 | ||||
| 3. | H. G. Estler | Alfa Romeo | 7 | 29.03,6 | ||||
| 4. | Günter Schreiber | DKW-Monza | 7 | |||||
| 5. | Werner Kettler | VW-Karmann | 7 |
Gran Turismo bis 1600 ccm: Hartzheim führt den Porsche-Dreifacherfolg an
Heinz Hartzheim (Köln) setzte sich in der GT-Klasse bis 1600 ccm auf Porsche durch. Sein Gesamtschnitt betrug 117,0 km/h, die schnellste Runde fuhr er mit 118,5 km/h. Wilhelm in der Elst (Krefeld) belegte Rang zwei. Dr. Busch (Düsseldorf) wurde Dritter; für seine Gesamtzeit nennen die beiden Ergebnisdarstellungen unterschiedliche Werte, weshalb sie hier offenbleibt.
Ergebnis Plätze 1 bis 5
| Position | # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (min) | Schnitt (km/h) | Punkte |
| 1. | Heinz Hartzheim | Porsche | 7 | 27.48,8 | 117,0 | |||
| 2. | Wilhelm in der Elst | Porsche | 7 | 28.19,8 | ||||
| 3. | Dr. Helmut Busch | Porsche | 7 | 28.26,4 | ||||
| 4. | Bruno Runte | Porsche | 7 | |||||
| 5. | Ewald Bandmann | Porsche | 7 |
Gran Turismo über 1600 ccm: Acht Hundertstelsekunden entscheiden für Seidel
Die knappste Entscheidung der Wagenrennen fiel in der GT-Klasse über 1600 ccm. Wolfgang Seidel (Düsseldorf) gewann auf Ferrari in 27.05,2 Minuten mit 120,1 km/h Durchschnitt. Sein Vorsprung auf Viktor Friedrich Rolff (Weiden) betrug nur 8/100 Sekunde. Rolff fuhr auf Mercedes 300 SL in 3.48,0 Minuten und mit 122,4 km/h den absoluten Rundenrekord der Südschleife. „Karl Braun“ (Essen) belegte Rang drei, Dr. Bernartz (Köln) Rang vier.
Ergebnis Plätze 1 bis 4
| Position | # | Team | Fahrer | Wagen | Runden | Gesamt (min) | Schnitt (km/h) | Punkte |
| 1. | Wolfgang Seidel | Ferrari | 7 | 27.05,2 | 120,1 | |||
| 2. | Viktor Friedrich Rolff | Mercedes 300 SL | 7 | 27.06,0 | ||||
| 3. | „Karl Braun“ | Mercedes 300 SL | 7 | 27.13,6 | ||||
| 4. | Dr. Bernartz | Mercedes 300 SL | 7 |
So verband das Eifelrennen 1958 auf der Südschleife zwei sehr unterschiedliche sportliche Geschichten: Bei den Motorrad-Nachwuchsfahrern fielen neue Klassen- und Rundenrekorde sowie die Entscheidungen im OMK-Juniorenpokal, während bei den Wagen Seidels hauchdünner GT-Sieg und der nachträgliche Ausschluss der vier zunächst führenden NSU-Prinz die Veranstaltung prägten.
Zur Übersicht "Chronologie 1958"
Quellen: auto motor und sport, Heft 22/1958, S. 16f
ADAC Motorwelt, Nr. 11 vom 1. November 1958, S. 595 und S. 633
Behrndt, M.; Födisch, J.-T.; Behrndt, Ma.: ADAC Eifelrennen, Heel Verlag GmbH, 2009, ISBN 978-3-86852-070-5, S. 253
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC Nordrhein e.V., Köln

