Großer Preis von Deutschland für Motorräder 1931

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5. Juli1931

Vier Klassen, 63 Starter, 26 im Ziel

  • Woods gewinnt die 500-cm³-Klasse nach 424,5 Kilometern mit nur einer Zehntelsekunde Vorsprung auf Hunt.
  • Mehrere Favoriten scheiden nach technischen Problemen, Stürzen oder Schwierigkeiten beim Tanken aus.
  • Runtsch, Tyrell-Smith, Torricelli und Woods gewinnen die vier Hubraumklassen; von 63 Startern erreichen 26 das Ziel.

Der Große Preis von Deutschland für Motorräder am 5. Juli 1931 bestand aus vier getrennt gewerteten Klassenrennen. Die Maschinen bis 250 ccm fuhren 13 Runden über 367,9 Kilometer, die 350er 14 Runden über 396,2 Kilometer und die Klassen bis 500 sowie bis 1000 ccm jeweils 15 Runden über 424,5 Kilometer. Insgesamt gingen 63 Fahrer an den Start, 26 erreichten das Ziel. Am Vortag hatte es geregnet, am Sonntag waren die Straßen wieder abgetrocknet. Rund 30.000 Zuschauer kamen an den Nürburgring. Die Klassen wurden nacheinander im Abstand von jeweils drei Minuten gestartet.

Eine zusätzliche Herausforderung bildete der vorgeschriebene Kraftstoff aus 50 Prozent Benzin sowie je 25 Prozent Benzol und Alkohol. Die Vergaser mussten auf diese Mischung abgestimmt werden. Auch das Tanken bereitete Probleme: Die Fülltanks waren hoch angebracht und die Schläuche dick, sodass der Kraftstoff mit starkem Druck austrat. Bauhofer bekam beim Tanken Benzin in die Augen und musste aufgeben. Danach wurden die übrigen Fahrer gewarnt und behielten beim Tanken ihre Brillen auf. Mehrfach lief Kraftstoff über heiße Motoren, ohne dass es dabei zu einem Brand kam.

Bis 250 ccm – Torricelli gewinnt nach Geiß’ Ausfall

In der kleinsten Klasse rückte zunächst die neue U-Zylinder-DKW von Geiß in den Mittelpunkt. Der Motor war nach dem Bericht der ADAC-Motorwelt noch nicht ausreichend auf den vorgeschriebenen Kraftstoff abgestimmt; Geiß fiel aus. Auch zwei weitere DKW dieser Konstruktion erreichten das Ziel nicht. Nott auf Rudge-Whitworth musste schon früh mit einem gebrochenen Schwinghebel für ein Einlassventil weiterfahren. Von der dritten Runde an stand ihm damit nach Darstellung der Quelle nur noch ein Einlassventil zur Verfügung.

Torricelli auf Puch nutzte die veränderte Lage und setzte sich an die Spitze. Er gewann nach 13 Runden in 3:48.06,1 vor Mellors auf New Imperial und Nott, der trotz seines Defekts Rang drei rettete. Vierter wurde Crabtree auf Thomas, Fünfter in der Elst auf Ardie.

Bei Crabtree ist eine Namensunterscheidung wichtig. In den Nürburgring-Berichten dieser Jahre erscheinen zwei Brüder: Syd beziehungsweise S. A. Crabtree und sein jüngerer Bruder L. C. „Les“ Crabtree. Syd hatte 1928 und 1929 die 250-cm³-Klasse des Großen Preises gewonnen; 1930 ging der Sieg in dieser Klasse an den jüngeren Les Crabtree. Der zeitgenössische Rückblick der ADAC-Motorwelt bezeichnet L. C. Crabtree ausdrücklich als den jüngeren Bruder. Der 1931 im Ergebnis nur als „Crabtree“ geführte Fahrer ist daher nicht mit Syd Crabtree gleichzusetzen.

Klasse A – bis 250 ccm
  # Fahrer, Ort Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Torricelli Puch 13 3:48.06,1 96,71
2.   Mellors New Imperial 13 3:51.56,3 95,05
3.   Nott Rudge Whitworth 13 3:52.59,3 94,60
4.   Crabtree Thomas 13 3:58.07,3 92,50
5.   in der Elst Ardie 13 4:13.11,4 86,90

Bis 350 ccm – Tyrell-Smith hält Dom hinter sich

Bei den 350ern lagen Tyrell-Smith auf Rudge-Whitworth und Guthrie auf Norton zunächst vorn. Guthrie konnte das Rennen nicht beenden. Tyrell-Smith behauptete die Spitze, während Dom auf Imperia in der Schlussphase noch einmal aufkam. Der Angriff reichte nicht mehr: Tyrell-Smith gewann die 14 Runden in 3:56.13,3, Dom wurde Zweiter. Schneider auf Velocette belegte Rang drei vor Ley auf Triumph-Nürnberg, Binder-Saam auf AJS und Bertholet auf Rudge-Whitworth.

Klasse B – bis 350 ccm
  # Fahrer, Ort Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Tyrell-Smith Rudge W. 14 3:56.13,3 100,10
2.   Dom Imperia 14 4:01.17,3 98,60
3.   Schneider Velocette 14 4:03.27,1 97,55
4.   Ley Triumph/N. 14 4:05.35,2 96,80
5.   Binder-Saam AJS 14 4:11.58,2 94,20
6.   Bertholet Rudge Whitworth 14 4:17.56,4 91,95

Bis 500 ccm – Woods schlägt Hunt um eine Zehntelsekunde

Das 500-cm³-Rennen entwickelte sich zur knappsten Entscheidung des Tages. Zunächst fuhr Crabtree auf einer Bayliss-Thomas-Jap einen deutlichen Vorsprung heraus. Dann öffnete sich sein Werkzeugkasten; Werkzeug geriet in die vordere Kette, die absprang. Crabtree musste sie wieder auflegen. Dasselbe Problem trat im weiteren Rennverlauf noch zweimal auf und warf ihn zurück.

Woods und Hunt übernahmen auf ihren Norton die Spitze. Beim Tanken blieben beide eng beieinander. Hunts Motor sprang nach einem Stopp schlecht an, doch innerhalb einer Runde hatte er den Rückstand wieder aufgeholt. Bis zur letzten Runde fuhren beide praktisch gemeinsam. Dann wurde der Kampf freigegeben. Für die Schlussrunde nennt die Motorwelt 14:56 Minuten als neuen Rundenrekord. Woods gewann nach 15 Runden in 3:58.41,3 – Hunt folgte in 3:58.41,4. Nach 424,5 Kilometern betrug der Unterschied damit nur eine Zehntelsekunde.

Hinter ihnen rückte Walker auf Rudge-Whitworth auf Rang drei vor, nachdem Dodson auf Motosacoche mit Motorschaden ausgeschieden war. Rüttchen lag noch in der 13. Runde auf Rang vier, wurde zum Ende aber langsamer und musste Demeuter auf Sarolea sowie Crabtree passieren lassen. Heyer wurde Siebter.

Klasse C – bis 500 ccm
  # Fahrer, Ort Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Woods Norton 15 3:58.41,3 106,57
2.   Hunt Norton 15 3:58.41,4 106,57
3.   Walker Rudge W. 15 4:02.28,0 104,90
4.   Demeuter Sarolea 15 4:08.30,2 102,40
5.   Crabtree Thomas Jap 15 4:09.09,4 102,10
6.   Rüttchen NSU 15 4:09.32,3 102,0
7.   Heyer AJS 15 4:13.35,4 100,4

Bis 1000 ccm – Runtsch bringt den Vorsprung ins Ziel

In der großen Klasse setzte sich Runtsch auf NSU früh ab und brachte seinen Vorsprung schließlich ins Ziel. Er gewann die 15 Runden in 4:02.27,1 vor Weyres auf Harley-Davidson und Klein auf Horex. Roese auf BMW, Schminke auf Imperia, Jecker auf Harley-Davidson, Müller auf Viktoria und Frentzen auf DKW folgten.

Auch abseits der Klassierten war dieses Rennen von Zwischenfällen geprägt. Jecker hatte bereits beim Start Zeit verloren, weil sein Harley-Motor erst nach längerem Bemühen ansprang. Loof stürzte in der fünften Runde und verlor dabei eine Hälfte des Lenkers, setzte die Fahrt aber fort. In der Tribünenkurve stürzte er nach dem Bericht auf einer Öllache erneut. Auslaufendes Benzin setzte die Maschine in Brand. Sand und Feuerlöscher erstickten die Flammen; Loof blieb unverletzt, seine Lederjacke wurde angesengt. Bauhofer musste, wie bereits erwähnt, nach dem Tankzwischenfall aufgeben. Ein weiterer Fahrer mit der Startnummer 13 stürzte und brach sich das Schlüsselbein.

Klasse D/E – bis 1000 ccm
  # Fahrer, Ort Krad Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Runtsch NSU 15 4:02.27,1 104,92
2.   Weyres Harley Davidson 15 4:13.14,1 100,50
3.   Klein Horex 15 4:18.02,3 98,70
4.   Roese BMW 15 4:23.27,1 96,60
5.   Schminke Imperia 15 4:25.00,0 96,10
6.   Jecker Harley Davidson 15 4:25.35,4 95,90
7.   Müller Viktoria 15 4:27.22,3 95,15
8.   Frentzen DKW 15 4:28.51,3 94,6

Von 63 gestarteten Fahrern erreichten damit nur 26 das Ziel. Die vier Klassen entwickelten jeweils einen eigenen Rennverlauf: technische Probleme prägten die 250er, Tyrell-Smith behauptete sich bei den 350ern, Woods und Hunt lieferten bei den 500ern die Entscheidung um eine Zehntelsekunde, und Runtsch setzte sich in der großen Klasse durch.

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Quellen: ADAC-Motorwelt, Nr. 25, 19. Juni 1931, S. 1f.
ADAC-Motorwelt, Nr. 27, 3. Juli 1931, Seiten 2f.
ADAC-Motorwelt, Nr. 28, 10. Juli 1931, S. 9ff.