10. Int. ADAC Eifelrennen 1936

  • 10. Int. ADAC Eifelrennen 1936
  • Veranstalter: Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt (ONS)
  • Nordschleife

14. Juni 1936

Rosemeyer gewinnt im Nebel: Das Eifelrennen 1936 wird zum Duell mit Nuvolari

  • Bernd Rosemeyer übernimmt in der sechsten Runde die Führung von Tazio Nuvolari und gewinnt das Hauptrennen im dichten Nebel
  • Carlo Felice Trossi und Omobono Tenni sichern Maserati in der 1500-cm³-Klasse die ersten beiden Plätze
  • Bei den Motorrädern gewinnen Kluge, Soenius und H. P. Müller die drei Lizenz-Soloklassen; Müller erzielt dabei die schnellste Zeit der Motorradrennen

Am 14. Juni 1936 trafen auf dem Nürburgring mehrere sehr unterschiedliche Rennfelder auf eine nasse und im weiteren Tagesverlauf zunehmend schwierige Strecke. Motorräder, Seitenwagen, kleine Rennwagen, Sportwagen und schließlich die großen Rennwagen bestimmten ein Programm, in dem der Regen immer wieder zum entscheidenden Faktor wurde. Den sportlichen Höhepunkt lieferte das Hauptrennen: Rudolf Caracciola führte zunächst, Tazio Nuvolari übernahm in der ersten Rennhälfte, ehe Bernd Rosemeyer im Auto Union aufschloss, vorbeiging und seinen Vorsprung im dichten Nebel entscheidend ausbaute.

Schon zuvor hatten die kleineren Klassen für enge Entscheidungen gesorgt. Carlo Felice Trossi und Omobono Tenni brachten Maserati in der 1500-cm³-Rennwagenklasse auf die ersten beiden Plätze. Bei den Motorrädern setzten sich sowohl DKW- als auch NSU- und BMW-Fahrer in Szene, während Ernst Henne im BMW die schnellste Sportwagenleistung des Tages erzielte.

I. Rennen: Ausweisfahrer auf Solomaschinen

Der Renntag begann am frühen Morgen mit den Ausweisfahrern. Die Strecke war bereits regenfeucht. In der 250-cm³-Klasse setzte sich Lottes auf DKW durch. Besonders hart trafen die Bedingungen die 350-cm³-Klasse: Von sechs gestarteten Fahrern erreichte keiner die Wertung. Bei den 500ern lieferten sich Streit und Geyer auf Norton in der Schlussrunde einen engen Kampf. Geyer ging am Karussell vorbei, doch Streit holte sich die Spitze noch vor dem Ziel zurück.

Bis 250 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Lottes, Marburg DKW 4   84,8
2.   Dierl, Düsseldorf DKW 4 1:06.01,2 82,9
3.   Schwansen NSU 4 1:11.08 77
Bis 500 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Streit, Bochum Norton 4 0:58.20,2 93,82
2.   Geyer, Troisdorf Norton 4 0:58.24,1 93,70

II. Rennen: Seitenwagen

Bei den Seitenwagen wurden Lizenz- und Ausweisfahrer getrennt gewertet. In der großen Lizenzklasse entwickelte sich die Entscheidung zunächst zwischen Kahrmann auf DKW und Stärkle auf NSU. Stärkle konnte das hohe Tempo nicht durchhalten und fiel aus; Kahrmann verteidigte die Führung anschließend gegen Zimmermann. In der 600-cm³-Klasse gewann Schneider auf NSU deutlich vor Bock und Römer. Obwohl diese Klasse später gestartet worden war, erreichte Schneider das Ziel vor dem Sieger der größeren Kategorie.

Lizenzfahrer – Seitenwagen bis 1000 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Kahrmann Auto-Union-DKW   1:01.24,3 88,65
2.   Zimmermann NSU   1:02.18,4 87,9
3.   Kammer BMW   1:02.49,4 87,2
Lizenzfahrer – Seitenwagen bis 600 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Schneider NSU   0:58.11,4 94,35
2.   Bock Norton   0:59.12,2 92,4
3.   Römer Norton   1:00.50,2 90,0

Auch bei den Ausweisfahrern wurden zwei Seitenwagenklassen ausgetragen. Die Namen sind in der Vorlage teilweise schwer zu lesen; deshalb werden nur eindeutig erkennbare Angaben übernommen.

Ausweisfahrer – Seitenwagen bis 1000 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.     BMW   0:47.47,1 85,8
2.     BMW   0:48.16,0 85,08
3.     Ardie/Jap   0:54.05,1 75,9
Ausweisfahrer – Seitenwagen bis 600 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.     NSU   0:51.33,2 79,6
2.     NSU   0:52.25,1 78,3
3.   Petersohn, Hamburg Standard   0:52.44,4 77,85
4.     NSU   1:00.40,4 67,65

III. Rennen: Kleine Rennwagen und Sportwagen

Das dritte Rennen vereinte Rennwagen bis 1500 ccm mit mehreren Sportwagenklassen. Insgesamt gingen 42 Fahrzeuge in den verschiedenen Kategorien auf die Strecke. Bei den kleinen Rennwagen hatte Richard Seaman im Training den stärksten Eindruck hinterlassen und setzte sich auch nach dem Start zunächst an die Spitze. Noch vor dem Ende der ersten Runde musste er jedoch aufgeben. Damit übernahm Trossi im Maserati die Führung und gab sie über acht Runden nicht mehr ab.

Omobono Tenni brachte den zweiten Maserati auf Rang zwei. Dahinter behauptete B. Bira seinen ERA gegen Marcel Lehoux. Walter Bäumer hielt mit seinem deutlich kleineren Austin lange den vierten Platz und kam schließlich als Fünfter ins Ziel. Hans Rüesch verunglückte kurz nach dem Start, wurde nach der zeitgenössischen Darstellung aber nicht schwer verletzt.

Rennwagen bis 1500 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Carlo Felice Trossi Maserati 8 1:37.17,3 112,6
2.   Omobono Tenni Maserati 8 1:38.03,4 111,6
3.   B. Bira ERA 8 1:40.13,1 109,4
4.   Marcel Lehoux ERA 8 1:40.20,3 109,0
5.   Walter Bäumer Austin 8    
6.   Hartmann Maserati 8    

Bei den Sportwagen ragte Henne auf BMW heraus. In der Klasse bis 2000 ccm ohne Kompressor gewann er deutlich und erzielte zugleich die beste Zeit aller Sportwagen. Schweder brachte den Adler auf Rang zwei, Richter wurde im BMW Dritter. In der kompressorgeladenen Zweiliterklasse gewann Berg auf Alfa Romeo vor Pasold auf Ford. Die 1500-cm³-Klasse ging an Roese auf BMW vor Krings, während Brendel auf Fiat die kleinste Sportwagenklasse gewann.

Sportwagen bis 2000 ccm mit Kompressor
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Berg Alfa Romeo   1:09.55,2 97,85
2.   Pasold Ford   1:10.35,4 96,95
3.     Bugatti     95,65
Sportwagen bis 2000 ccm ohne Kompressor
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Henne BMW   1:07.23,0 101,5
2.   Schweder Adler   1:10.35,4 96,95
3.   Richter BMW   1:13.39,3 92,85
Sportwagen bis 1500 ccm ohne Kompressor
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Roese BMW   0:58.48,4 93,08
2.   Krings BMW   0:59.48,0 91,55
Sportwagen bis 1100 ccm ohne Kompressor
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Brendel Fiat   1:02.28,1 87,6
2.   Sörgel Fiat   1:02.42,2 87,15
3.   Zinn Fiat   1:04.13,0 85,2

IV. Rennen: Lizenzfahrer auf Solomaschinen

Mit dem vierten Rennen kehrten die Solomotorräder auf die Strecke zurück. In der 250-cm³-Klasse bestimmte Kluge auf DKW das Geschehen über sechs Runden und gewann mit deutlichem Vorsprung vor W. Winkler und H. Winkler. Die 350er entschied Soenius auf NSU nach einem Kampf mit Richnow auf Rudge für sich.

Die schnellste Motorradleistung gelang H. P. Müller in der 500-cm³-Klasse. Müller, Mansfeld, Ley und Gall bildeten zunächst die Spitzengruppe. Ley fiel in der fünften Runde mit Maschinenschaden aus. Müller setzte sich daraufhin ab und gewann vor Gall und Mansfeld. Seine schnellste Runde absolvierte er mit einem Durchschnitt von 106,4 km/h.

Bis 250 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Kluge Auto-Union-DKW 6 1:23.00 98,95
2.   W. Winkler Auto-Union-DKW 6 1:30.05 91,2
3.   H. Winkler Auto-Union-DKW 6 1:30.30,3 90,7
Bis 350 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   Soenius NSU 6 1:22.32,4 99,45
2.   Richnow Rudge 6 1:23.31,1 98,38
3.   Haller Norton 6 1:29.05,1 92,1
4.   Basler Norton 6 1:30.21,0 90,85
Bis 500 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   H. P. Müller Auto-Union-DKW 6 1:17.49,2 105,5
2.   Gall BMW 6 1:19.32,2 103,25
3.   Mansfeld Auto-Union-DKW 6 1:20.20,2 102,25
4.   Bodmer Auto-Union-DKW 6    
5.   Petruschke Rudge 6    

Hauptrennen: Caracciola startet vorn, Nuvolari übernimmt

Vierzehn Rennwagen standen zum Abschluss auf dem nassen Nürburgring. Caracciola erwischte im Mercedes-Benz aus der dritten Startreihe den besten Start und setzte sich vor Nuvolari und Rosemeyer. Dahinter folgten von Brauchitsch, Lang, Stuck und Brivio. Schon früh wurde deutlich, dass die Bedingungen die hohe Motorleistung der großen Wagen nur eingeschränkt nutzbar machten.

Nuvolari hielt Caracciola unter Druck und übernahm in der dritten Runde die Spitze. Rosemeyer rückte gleichzeitig näher. In der folgenden Phase zog der Auto-Union-Fahrer an Caracciola vorbei. Der Mercedes-Pilot musste wenig später mit einem beschädigten Stoßdämpfer aufgeben. Damit konzentrierte sich die Entscheidung auf Nuvolari und Rosemeyer.

Rosemeyer schließt auf – dann kommt der Nebel

Zur Rennhälfte lag Rosemeyer nur noch wenige Sekunden hinter Nuvolari. In der sechsten Runde schloss er vollständig auf und ging auf der Start-und-Ziel-Geraden am Alfa Romeo vorbei. Kurz darauf verschärften sich die Bedingungen noch einmal: Nebel zog über die Nordschleife und reduzierte die Sicht erheblich. Während die übrigen Fahrer Tempo herausnahmen, hielt Rosemeyer seinen Rhythmus und vergrößerte den Vorsprung Runde für Runde.

Auch hinter der Spitze forderte die Strecke ihren Tribut. Von Brauchitsch kam im Nebel von der Fahrbahn ab und beschädigte seinen Mercedes-Benz so stark, dass er aufgeben musste. Lang drehte sich ebenfalls von der Strecke, konnte nach Hilfe von Zuschauern jedoch weiterfahren. Brivio und Farina brachten ihre Alfa Romeo auf die Plätze drei und vier.

Rosemeyer gewann schließlich klar vor Nuvolari. Hinter den beiden folgten Brivio und Farina, während Lang als Fünfter bestplatzierter Mercedes-Benz-Fahrer wurde. Chiron erreichte Rang sechs, anschließend folgten die Auto Union von Varzi, Stuck und von Delius. Zanelli wurde im Maserati mit einer Runde Rückstand Zehnter.

Ergebnis – Rennwagen über 1500 ccm
Position # Team Fahrer Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.     Bernd Rosemeyer Auto-Union 10 1:56.41,1 117,1
2.     Tazio Nuvolari Alfa Romeo 10 1:58.54,0 115,1
3.     Antonio Brivio Alfa Romeo 10 1:59.30,2 114,5
4.     Giuseppe Farina Alfa Romeo 10 1:59.58,3 114,25
5.     Hermann Lang Mercedes-Benz 10 2:02.28,0 111,7
6.     Louis Chiron Mercedes-Benz 10 2:03.33,0 110,75
7.     Achille Varzi Auto-Union 10 2:03.35,2 110,75
8.     Hans Stuck Auto-Union 10 2:03.36,3 110,70
9.     Ernst von Delius Auto-Union 10 2:05.53,2 108,7
10.     Juan Zanelli Maserati   2:04.14,3  

Ein Renntag unter wechselnden Bedingungen

Das Eifelrennen 1936 wurde in nahezu allen Klassen von der Witterung geprägt. Im kleinen Rennwagenfeld nutzten Trossi und Tenni die Gelegenheit zu einem Maserati-Doppelsieg, bei den Sportwagen setzte Henne mit dem BMW die Bestmarke, und die Motorradrennen brachten Siege für mehrere Marken. Im Hauptrennen entschied sich das Duell zwischen Rosemeyer und Nuvolari erst in der zweiten Rennhälfte. Als zum Regen dichter Nebel hinzukam, blieb Rosemeyer an der Spitze der entscheidende Fahrer und brachte den Auto Union mit deutlichem Vorsprung ins Ziel.

360614 Eifelrennen ProgrammZur Übersicht "Chronologie 1939"


Quellen: 
ADAC-Motorwelt, Nr. 12-1936, S. 22f
Motor Sport, Juli 1936: „The Eifel Races“
Paul Fearnley: „1936 Eifelrennen“, Motor Sport, 2016
Golden Era: „1936 Grand Prix Season – Part 5“, Abschnitt XIV ADAC Eifelrennen
Behrndt, Mi./Födisch, J-T./Behrndt, Ma.: ADAC Eifelrennen, Heel, 2009, ISBN 978-3-86852-070-5
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München