2. Int. ADAC Eifelrennen 1928

  • 2. Int. ADAC-Eifelrennen
  • Veranstalter: ADAC e.V., München
  • Südschleife

 28.05.1928

Rüttchen gewinnt den Endlauf: Harley-Davidson beim Eifelrennen 1928 vorn

  • Rüttchen gewinnt den gemeinsamen Endlauf vor Soenius und Seibel.
  • Winkler, Soenius, Zündorf/Rüttchen und Gosse entscheiden die Motorrad-Wertungsgruppen.
  • Bei den Wagen werden Spandel, Modersohn, Seibel, von Halle und Macher Klassensieger.

Am Pfingstmontag, dem 28. Mai 1928, wurde das ADAC-Eifelrennen auf dem Nürburgring ausgetragen. Gefahren wurde auf der rund 7,75 Kilometer langen Südschleife. Das ungewöhnliche Format verband mehrere Läufe für Motorräder, Seitenwagen und Sportwagen mit einem abschließenden Endlauf, in dem die schnellsten Vertreter der Wertungsgruppen noch einmal gegeneinander antraten. Rund 50.000 Zuschauer verfolgten den Renntag, an dessen Ende Rüttchen auf Harley-Davidson als schnellster Fahrer des Eifelrennens feststand.

Schon die Ausschreibung setzte auf Abwechslung. Wagen- und Motorradrennen wechselten einander ab, die einzelnen Gruppen mussten mehrfach auf die Südschleife. Die Wertung erfolgte über Punkte; gerade dieses System und die Organisation sorgten im Verlauf des Tages jedoch für Diskussionen. Sportlich rückten vor allem die Motorräder in den Mittelpunkt. Ihre engen Kämpfe und hohen Geschwindigkeiten bestimmten den Charakter des Renntages.

Motorräder: vier Wertungsgruppen und harte Positionskämpfe

Bei den Motorrädern wurden vier Wertungsgruppen gebildet: 175 bis 250 ccm, 350 und 500 ccm gemeinsam, Maschinen über 500 ccm sowie Seitenwagen aller Klassen. Der erste Lauf begann mit 14 Fahrern der kleinsten Gruppe, eine Minute später folgten zehn Fahrer der mittleren Klasse, danach die beiden übrigen Gruppen mit jeweils acht Teilnehmern.

In der kleinsten Klasse bestimmten zunächst Henkelmann und Winkler auf DKW das Geschehen. Henkelmann gewann den ersten Lauf in 47:41 Minuten knapp vor Winkler. Im weiteren Verlauf wurde die Entscheidung jedoch durch eine organisatorische Kontroverse beeinflusst. Vor dem dritten Lauf war Henkelmann beim Aufstellen im Fahrerlager nicht rechtzeitig erfasst worden. Obwohl er starten durfte und an der Spitze lag, wurde er nach einem Boxenhalt aus dem Rennen genommen. Damit ging der Klassensieg schließlich an Winkler.

In der kombinierten 350/500-ccm-Gruppe lieferten sich Soenius auf BMW und Martinelli auf Imperia einen besonders engen Kampf. Im ersten Lauf trennten sie nur eine halbe Sekunde. Später kam Martinelli wegen eines Kerzenschadens nicht rechtzeitig vom Start weg und schied nach einer Aufholjagd mit Maschinendefekt aus. Soenius stürzte im dritten Lauf, verletzte sich am Arm und beschädigte seine Maschine, erreichte das Ziel aber noch vor Karlstein und wurde Klassensieger.

Bei den schweren Solomaschinen setzte Zündorf auf DKW im ersten Lauf mit 42:55 Minuten die schnellste Zeit des Tages. Rüttchen folgte auf Harley-Davidson. Im dritten Lauf verlor Zündorf durch Kerzenstörungen fast eine Runde, während Rüttchen mit großem Vorsprung vor Theisen ins Ziel kam. In der Endwertung erhielten Zündorf und Rüttchen jeweils fünf Punkte; beide wurden in der Ergebnisliste an erster Stelle geführt.

Auch die Seitenwagen boten enge Kämpfe. Weyres auf Harley-Davidson gewann die ersten beiden Läufe, fiel im dritten jedoch mit Kettenbruch aus und kam dadurch nicht mehr in die Endwertung. Gosse auf Tornax wurde schließlich Sieger der Wertungsgruppe vor Wimmer und Krämer.

Ergebnisse der Motorräder
WertungsgruppePositionFahrerMaschinePunkte
I 1. H. Winkler, München DKW 4
I 2. Schwartz, Koblenz UT-Jap 14
I 3. Joe Will Brand, München Hecker-Jap 15
II 1. Soenius, Godorf BMW 3
II 2. Karlstein, Düsseldorf AJS 12
II 3. Wenzel, Köln Esch-Rekord-Jap 13
II 4. Zur Horst, Barmen Standard 20
II 5. Nonnemann, Stuttgart UT-Jap 21
III 1. Zündorf, Köln DKW 5
III 1. Rüttchen, Erkelenz Harley-Davidson 5
III 2. Theisen, Milspe Tornax-Jap 10
III 3. Hobelmann, Köln Tornax-Jap 12
III 4. Klotz, Auerbach Wanderer 16
IV 1. Gosse, Köln Tornax 4
IV 2. Wimmer jun., Krefeld AJS 10
IV 3. Krämer, Köln Imperia 13

Wagen: kleine Felder, fünf Klassensieger

Bei den Wagen blieb die Besetzung überschaubarer. Im ersten Wagenrennen gingen 20 Fahrer auf die Südschleife. In der kleinsten Klasse traten zwei Dixi und ein Rovin an. Volkhardt setzte mit dem Rovin zunächst ein hohes Tempo, musste später jedoch mit einem Kettenbruch am Kompressor aufgeben. Die beiden Dixi überzeugten durch gleichmäßigen Lauf; Macher sicherte sich am Ende den Klassensieg.

Bis 1100 ccm prägten Amilcar die Spitze. Im ersten Lauf setzte sich Nellessen vor von Halle durch. Im zweiten Lauf drehte von Halle das Kräfteverhältnis um und gewann mit beinahe einer Runde Vorsprung. In der Gesamtwertung wurde von Halle mit vier Punkten Klassensieger.

In der 1,5-Liter-Klasse setzte sich Seibel auf Bugatti durch. Stumpf schied früh aus, nachdem er beim Überholen an eine Böschung geraten war und einen Defekt an der Steuerung erlitt. Seibel gewann seine Wertungsgruppe mit drei Punkten. Bis drei Liter beherrschte Modersohn auf NAG die Gruppe und wurde ebenfalls mit drei Punkten Klassensieger. In der Klasse über drei Liter ging der Klassensieg an Spandel auf Steyr.

Die dritte Wagenrunde brachte Modersohn die beste Zeit aller Wagen. Mit 55:29 Minuten lag er 25 Sekunden vor dem kleinen Amilcar von Halle. Für den späteren gemeinsamen Endlauf qualifizierten sich damit auch Wagenfahrer, obwohl ihre Zeiten gegenüber den schnellsten Motorrädern einen Nachteil erwarten ließen.

Klassensieger der Wagenläufe
Wertungsgruppe Position Fahrer Wagen Punkte
I 1. Spandel, Nürnberg Steyr 3
II 1. Modersohn, Bielefeld NAG 3
III 1. Seibel, Diez Bugatti 3
IV 1. von Halle, Frankfurt Amilcar 4
V 1. Macher, Köln Dixi 3

Der gemeinsame Endlauf: Rüttchen setzt sich ab

Zum Abschluss trafen Wagen, Motorräder und Seitenwagen in einem gemeinsamen Endlauf über fünf Runden aufeinander. Zündorfs DKW und die BMW von Soenius waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in einwandfreiem Zustand. Rüttchen dagegen setzte sich auf der Harley-Davidson deutlich ab.

Soenius wurde Zweiter. Seibel brachte den Bugatti als bestes Automobil auf Rang drei und lag damit noch vor Modersohn im NAG. Zündorf war durch einen Kerzenwechsel zurückgefallen. In der offiziellen Reihenfolge wurde er als Fünfter geführt. Rüttchen gewann den Endlauf in 23:43,0 Minuten und wurde damit zum schnellsten Fahrer des Eifelrennens 1928.

Endlauf um das schnellste Fahrzeug des Eifelrennens 1928
Position Fahrer Fahrzeug Runden Schnellste Runde (h)
1. Rüttchen, Erkelenz Harley-Davidson 5 0:23.43,0
2. Soenius, Godorf BMW 5 0:24.49,8
3. Seibel, Diez Bugatti 5 0:25.03,8
4. Modersohn, Bielefeld NAG 5 0:25.11,4
5. Zündorf, Köln DKW 5  

Ein Format mit sportlichem Reiz und organisatorischen Schwächen

Das Eifelrennen 1928 verband verschiedene Fahrzeugkategorien in einem ungewöhnlichen Mehrlauf-Format. Gerade bei den Motorrädern entstanden enge Duelle, während mehrere technische Defekte und die Punktewertung den Verlauf wiederholt veränderten. Gleichzeitig zeigte der Renntag Schwächen in der Organisation: verspätete Nummerntafeln, ein missglückter Massenstart und die umstrittene Behandlung Henkelmanns beeinflussten den Ablauf. Sportlich blieb vor allem der Schlusslauf hängen, in dem Rüttchen die schnellsten Motorräder und die besten Wagen hinter sich ließ.

ProgrammheftZur Übersicht "Chronologie 1928"


Quellen: ADAC-Motorwelt, Nr. 21, 25. Mai 1928, Seite 41: „Vorschau zum Eifelrennen 1928“.
ADAC-Motorwelt, Nr. 23, 8. Juni 1928, Seiten 33–36: „Das ADAC-Eifelrennen 1928 auf dem Nürburgring“.
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München