- 11. Int. ADAC Eifelrennen 1937
- Veranstalter: Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt (ONS)
- Nordschleife
13. Juni 1937
Rosemeyer bezwingt Mercedes: Dritter Nürburgring-Sieg in Folge
- Bernd Rosemeyer setzt sich nach engem Duell gegen Rudolf Caracciola durch.
- Ein schneller Reifenwechsel verschafft Auto Union den entscheidenden Vorsprung.
- F. P. Fane gewinnt die Zweiliter-Sportwagenklasse ohne Kompressor auf BMW.
Das 11. Int. ADAC Eifelrennen am 13. Juni 1937 auf dem Nürburgring bot ein umfangreiches Programm aus Motorrad-, Sportwagen- und Rennwagenläufen. Im Mittelpunkt stand das zehn Runden lange Rennen der Grand-Prix-Wagen auf der Nordschleife. Bernd Rosemeyer gewann für Auto Union vor Rudolf Caracciola und Manfred von Brauchitsch auf Mercedes-Benz. Für Rosemeyer war es der dritte Nürburgring-Sieg in Folge. Anders als bei den von Regen und Nebel geprägten Veranstaltungen der vorausgegangenen Jahre klarte das Wetter nach einem wenig verheißungsvollen Morgen auf.
Motorräder eröffnen den Renntag
Bereits am Morgen gehörte die Strecke den Motorrädern. In der 350-cm³-Klasse gewann Mellmann auf NSU vor dem Engländer Anderson, ebenfalls auf NSU. Bei den 250ern setzte sich Winkler auf einer DKW-Zweitaktmaschine durch. DKW war auch bei den Seitenwagen erfolgreich: Bei den schweren Gespannen gewann Kahrmann, in der Klasse bis 600 cm³ war Braun der Schnellste. In der 500-cm³-Soloklasse erreichte Gall auf BMW 120,3 km/h Durchschnitt.

Die eindrucksvolle Aufnahme oben zeigt die Aufstellung zum Start für das Internationale Eifelrennen auf dem Nürburgring am 13.06.1937, den Bernd Rosemeyer auf Auto Union C gewann. Rudolf Caracciola und Manfred von Brauchitsch belegten den zweiten und dritten Platz, beide auf Mercedes-Benz W 125.
- 1. Reihe: Startnummer 6 - Rudolf Caracciola (Mercedes-Benz W 125), Startnummer 8 - Manfred von Brauchitsch (Mercedes-Benz W 125), Startnummer 1 - Bernd Rosemeyer (Auto Union C).
- 2. Reihe: Startnummer 4 - Rudolf Hasse (Auto Union C), Startnummer 7 - Hermann Lang (Mecedes-Benz W 125).
- 3. Reihe: Startnummer 12 - Dr. Giuseppe "Nino" Farina (Alfa Romeo 12C-36), Startnummer 11 - Tazio Nuvolari (Alfa Romeo 12C-36), Startnummer 2 - Ernst von Delius (Auto Union C).
- 4. Reihe: Startnummer 5 - Hermann Paul Müller (Auto Union C), Startnummer 10 - Christian Kautz (Mecedes-Benz W 125).
- 5. Reihe: Startnummer 16 - László Hartmann (Maserati 8CM), Startnummer 9 - Richard "Dick" John Beattie Seaman (Mecedes-Benz W 125), Startnummer 18 - Hans Rüesch (Alfa Romeo Tipo B).
- 6. Reihe: Startnummer 15 - Luigi "Gigi" Soffietti (Maserati 6C-34), Startnummer 24 - Guglielmo Carraroli (Alfa Romeo 2900A).
- 7. Reihe: Startnummer 21 - Adolfo Mandirola (Maserati 8CM), Startnummer 19 - Renato Balestrero (Alfa Romeo 8C-35), Startnummer 23 - Graf Ernõ Festetics, Maria Josef Ernst Graf Festetics von Tolna (Maserati 8CM).
Rosemeyer gegen die Mercedes-Mannschaft
Die Ausgangslage sprach nicht zwingend für Auto Union. Hans Stuck befand sich in Südamerika, Luigi Fagioli fehlte krankheitsbedingt, und Ernst von Delius war nach einem Trainingsunfall körperlich beeinträchtigt. Damit ruhte ein erheblicher Teil der Erwartungen auf Rosemeyer. Unterstützt wurde er von Rudolf Hasse und Hermann Müller, der sein erstes Rennen bestritt. Mercedes-Benz trat unter anderem mit Caracciola, Hermann Lang, Richard Seaman, Christian Kautz und von Brauchitsch an.
Rosemeyer hatte bereits im Training das Tempo bestimmt. Für seine schnellste Runde wurden 9:57 Minuten beziehungsweise rund 137,5 km/h genannt. Das Rennen führte über zehn Runden. Ein Nachtanken war nicht vorgesehen, doch die Belastung der Hinterreifen spielte von Beginn an eine zentrale Rolle.
Nach dem Start lagen Rosemeyer und Caracciola unmittelbar beieinander. Caracciola setzte sich zunächst an die Spitze. Dahinter folgten Rosemeyer, Lang, von Delius, Seaman, Hasse und von Brauchitsch; auch Tazio Nuvolari gehörte im Alfa Romeo zur Verfolgergruppe. In der zweiten Runde ging Rosemeyer an Caracciola vorbei, der kurz darauf konterte. In Runde drei schloss Rosemeyer erneut auf und übernahm schließlich wieder die Führung.
Hinter dem Spitzenduell gab es früh Probleme. Seaman schied in der zweiten Runde mit Zündproblemen aus. Kautz kämpfte mit austretendem Öl, blieb jedoch im Rennen. An der Spitze lösten sich Rosemeyer, Caracciola und von Brauchitsch zunehmend vom übrigen Feld.
Der Reifenwechsel entscheidet das Duell
Nach fünf Runden waren Caracciolas Hinterreifen am Ende. Er kam an die Box, kurz darauf folgte von Brauchitsch. Für Caracciolas Radwechsel wurden 38 Sekunden gestoppt, für von Brauchitsch 36 Sekunden. Rosemeyer blieb eine Runde länger draußen. Sein Reifenwechsel dauerte rund eine halbe Minute; anschließend lag er etwa 45 Sekunden vor Caracciola.
Damit war die entscheidende Verschiebung im Kampf um den Sieg erfolgt. Rosemeyer konnte seinen Vorsprung kontrollieren. Hasse lag hinter den drei Spitzenfahrern auf Rang vier, Nuvolari folgte dahinter. Als Hasse später zur Kontrolle der Hinterreifen an die Box kam, stand sein Auto bereits auf dem Wagenheber. Weil Nuvolari herannahte und die Reifen offenbar noch brauchbar waren, fuhr Hasse sofort weiter. Kurz darauf holte er den Alfa Romeo wieder ein; Nuvolari ließ den schnelleren Auto Union passieren.
In den Schlussrunden blieb Rosemeyers Vorsprung stabil. Auf der letzten Runde erhöhte er das Tempo noch einmal und gewann mit gut 50 Sekunden Vorsprung vor Caracciola. Von Brauchitsch wurde Dritter, Hasse Vierter und Nuvolari Fünfter. Lang folgte auf Rang sechs. Rosemeyer hatte damit drei Nürburgring-Rennen in Folge gewonnen.
Ergebnis – Rennwagen
| # | Bewerber | Fahrer | Wagen | Rd. | Zeit | Abstand | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1 | Auto Union AG | Bernd Rosemeyer | Auto Union C | 10 | 1:42:11,1 | |
| 2 | 6 | Daimler-Benz AG | Rudolf Caracciola | Mercedes-Benz W125 | 10 | 1:43:01,4 | + 50,3 s |
| 3 | 8 | Daimler-Benz AG | Manfred von Brauchitsch | Mercedes-Benz W125 | 10 | 1:43:56,4 | + 1:45,3 |
| 4 | 4 | Auto Union AG | Rudolf Hasse | Auto Union C | 10 | 1:45:35,0 | + 3:23,9 |
| 5 | 11 | Scuderia Ferrari | Tazio Nuvolari | Alfa Romeo 12C-36 | 10 | 1:45:46,0 | + 3:34,9 |
| 6 | 7 | Daimler-Benz AG | Hermann Lang | Mercedes-Benz W125 | 10 | 1:48:06,1 | + 5:55,0 |
| 7 | 5 | Auto Union AG | Hermann Müller | Auto Union C | 10 | 1:48:35,1 | + 6:24,0 |
| 8 | 18 | H. Rüesch | Hans Rüesch | Alfa Romeo 8C-35 | 10 | 1:48:44,1 | + 6:33,0 |
| 9 | 10 | Daimler-Benz AG | Christian Kautz | Mercedes-Benz W125 | 10 | 1:49:38,4 | + 7:27,3 |
| 10 | 2 | Auto Union AG | Ernst von Delius | Auto Union C | 10 | 1:50:43,3 | + 8:32,2 |
| 11 | 15 | L. Soffietti | Luigi Soffietti | Maserati 6C-34 | 9 | ||
| 12 | 16 | L. Hartmann | László Hartmann | Maserati 8CM | 9 |
Sportwagen: Fane setzt sich auf BMW durch
Vor dem Rennen der Grand-Prix-Wagen standen die Sportwagen im Mittelpunkt. Mehrere Klassen wurden gleichzeitig ausgetragen. Besonders beachtet wurde das Duell zwischen Ernst Henne und dem Briten A. F. P. Fane, beide auf BMW. Henne ging zunächst in Führung, Fane zog jedoch vorbei und lag bereits nach der ersten Runde vorn. Bei dem Versuch, wieder aufzuschließen, kam Henne im Bereich Hocheichen von der Strecke ab und überschlug sich. Er erlitt dabei Verletzungen an den Schultern.
Fane gewann anschließend die Klasse bis zwei Liter ohne Kompressor. Für den neuen Zweiliter-BMW wurden 55 PS genannt; mit 108,1 km/h wurde zugleich die schnellste Sportwagen-Durchschnittsgeschwindigkeit des Tages hervorgehoben. Dr. Fritz Werneck gewann auf BMW die Klasse bis 1,5 Liter ohne Kompressor. Herbert Berg siegte in der Kompressorklasse bis zwei Liter auf Alfa Romeo. In der großen Kompressorklasse setzte sich László Hartmann auf Alfa Romeo durch, während Edoardo Teagno die Klasse über zwei Liter ohne Kompressor gewann.
Ergebnisse – Sportwagenklassen
| Klasse | Sieger | Wagen | Rd. | Zeit | km/h |
|---|---|---|---|---|---|
| bis 1100 cm³, ohne Kompressor | „Regies“ (Emil Vorster) | MG Midget | 4 | 59:33,4 | 91,9 |
| bis 1500 cm³, ohne Kompressor | Dr. Fritz Werneck | BMW | 4 | 56:33,3 | 96,8 |
| bis 2000 cm³, ohne Kompressor | A. F. P. Fane | BMW | 5 | 1:03:05,3 | 108,4 |
| über 2000 cm³, ohne Kompressor | Edoardo Teagno | Alfa Romeo | 5 | 1:12:43,1 | 94,2 |
| bis 2000 cm³, mit Kompressor | Herbert Berg | Alfa Romeo | 5 | 1:04:30,2 | 106,1 |
| über 2000 cm³, mit Kompressor | László Hartmann | Alfa Romeo | 5 | 1:03:51,1 | 107,1 |
Zur Übersicht "Chronologie 1937"
Quellen: Allgemeine Automobil-Zeitung, 1. Juli 1937, Seiten 21f
Motorwelt, Nr. 13 vom 25. Juni 1937, Seiten 9f
Motor Sport, Juli 1937, S. 40: „Racing at the Nürburg Ring“.
The Golden Era of Grand Prix Racing: „1937 Grand Prix Season – Part 5“, Abschnitt XV
Fotos: Daimler AG
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München

